Lukaschenkos letztes Aufgebot

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat sich zwei Tage lang bei einem sogenannten Volkskongress von handverlesenen Delegierten huldigen lassen. Nach Zukunft sah das nicht aus. Ein Kommentar.

Alexander Lukaschenko ist wieder obenauf. Zwei Tage lang ließ sich der Langzeitherrscher von 2700 handverlesenen Delegierten des sogenannten Allbelarussischen Volkskongresses beklatschen. Massenproteste, Freiheitsrevolte, Demokratiebewegung? Lukaschenko tut so, als hätte es die vergangenen sechs Monate nicht gegeben. In Wahrheit jedoch hat der Diktator den Willen der Menschen im Land, über ihr Schicksal selbst zu entscheiden, in Blut erstickt. Das wird niemand in Belarus so bald vergessen.

Lukaschenko hat eine Schlacht gewonnen. Der Kampf aber wird weitergehen, und die Zeit arbeitet gegen den alternden Alleinherrscher. Den Bezug zur Jugend hat der 66-Jährige ohnehin längst verloren. Aber die Gewaltorgien haben ihn auch die letzten echten Sympathien im Land gekostet. Sogar die bestellten Claqueure des Volkskongresses schafften es nicht mehr, einen Hauch von Aufbruch zu verbreiten. Im Stil von Winkekatzen applaudierten die Apparatschiks mechanisch und starrten ansonsten vor sich hin, während Lukaschenko fast vier Stunden lang redete.

Am Ende der Farce winkten die Funktionäre nicht nur einen neuen Fünfjahresplan durch, sondern auch die Ankündigung von Verfassungsänderungen. Dabei glaubt in Belarus niemand ernsthaft daran, dass Lukaschenko politische Reformen anstoßen könnte, die den Namen verdienen. Er hat viel zu oft gelogen und betrogen. So hatte er zuletzt angekündigt, nach einem Verfassungsreferendum als Präsident abzutreten. Nun jedoch will er davon nichts mehr wissen.

Und dennoch: All das wirkt wie das letzte Aufgebot des „letzten Diktator in Europa“. Lukaschenko ist ein Mann ohne Zukunft. Er weiß es nur noch nicht. Oder vielleicht ahnt er es auch und nutzt schlicht die Feigheit und die Profitgier der Männer und Frauen im Machtapparat, die ihm seinen letzten Sieg gesichert haben. Die Ereignisse des vergangenen halben Jahres haben aber auch dort Zweifel gesät. Schon beim nächsten Mal werden es die Opportunisten im Apparat sein, die als Erste von Lukaschenkos Fahne gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.