Wenn Krieg sich wieder lohnt

Sechs Wochen lang haben Aserbaidschan und Armenien wieder einmal Krieg um die Region Bergkarabach geführt. Wie konnte es dazu kommen, und welche Folgen könnte das Beispiel für den postsowjetischen Raum haben? Ein Kommentar.

„Grüne Männchen“ auf der Krim: Auf der Schwarzmeer-Halbinsel bereiteten russische Soldaten ohne Abzeichen im März 2014 die Annexion vor. (Foto: Krökel)

Mehr als zwanzig Jahre galt der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Bergkarabach als eingefroren. Es gab sogar einen aussichtsreichen Plan für eine UN-überwachte Autonomie. 2016 jedoch brachen wie aus dem Nichts wieder Gefechte aus. Vier Jahre später tobte nun sogar ein heißer Krieg. Seit Dienstag schweigen die Waffen auf Druck Moskaus, hoffentlich dauerhaft. Mehr als tausend Menschen aber starben bereits. Wie konnte es zu dieser Remilitarisierung eines Konflikts kommen, der als friedlich lösbar galt?

Offensichtlich hat die Türkei ihren muslimischen Nachbarn Aserbaidschan ermuntert, über das christlich-orthodoxe Armenien herzufallen und Bergkarabach zurückzuerobern. Die Region gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird aber vor allem von Armeniern bewohnt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hatte sich die kleinere der beiden transkaukasischen Republiken in Karabach militärisch festgesetzt und das Gebiet faktisch annektiert. Seither aber konnte Aserbaidschan dank seines Gas- und Ölreichtums massiv aufrüsten und wollte nun seine Überlegenheit ausspielen.

Das ist gelungen. Der Verlierer des Krieges heißt Armenien, das zwar nicht auf ganz Karabach verzichten muss, aber auf wichtige Teile. Faktisch hat Aserbaidschan nun einen Fuß zur Reannexion in der Tür. Das freut auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, einen Armenienhasser, für den Militäreinsätze ohnehin zum Geschäft gehören, wie er auch im Mittelmeerraum immer wieder vorführt.

Einen großen Teil der Verantwortung trägt aber auch Russland. Es war Kremlchef Wladimir Putin, der mit der Annexion der ukrainischen Krim 2014 vorgeführt hat, dass Krieg im postsowjetischen Raum wieder zu den vermeintlich legitimen Mitteln der Geopolitik zählt – und sich auch noch lohnen kann. Das hat sich Aserbaidschan zum Vorbild genommen.

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