Julia Timoschenko tritt an: Ein Fünkchen Hoffnung für die Ukraine

Julia Timoschenko will es noch einmal wissen. Die 58-Jährige tritt zum dritten Mal in Folge bei einer ukrainischen Präsidentschaftswahl an. Ihre Entscheidung zur Kandidatur hat sie nun offiziell verkündet. Ende März wird abgestimmt. Ein Kommentar.

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„Für Gerechtigkeit lohnt es sich zu kämpfen“, steht auf dem Plakat mit dem Bild von Julia Timoschenko vor ihrer früheren Gefängniszelle in Kiew. (Foto: Krökel)

Julia Timoschenko fordert bei der Präsidentenwahl Amtsinhaber Petro Poroschenko heraus. Überrascht hat diese Nachricht in Kiew kaum jemanden. Timoschenko führt derzeit alle Umfragen an. Und sie gilt als extrem ehrgeizig. Viele Ukrainer halten sie sogar für machtversessen.

Wer ihren Werdegang beobachtet hat, wird dem schwerlich widersprechen können. In den 90er Jahren behauptete sich die „Gasprinzessin“ in den blutigen ukrainischen Oligarchenkriegen als einzige Frau. Sie nutzte ihren Einfluss politisch, stieg zur Regierungschefin auf und führte 2004 die Revolution in Orange an.

Im Rückblick liegt die Frage nah, wie ausgerechnet eine Oligarchin zur Hoffnungsträgerin von Demokraten und Westlern werden konnte. Aber in dieser Frage liegt schon das größte Missverständnis: Wer in der Ukraine etwas bewegen will, der kommt an den Oligarchen und ihrer alles überwuchernden Macht nicht vorbei.

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Vitali Klitschko wollte einst Präsident werden – und wurde Bürgermeister von Kiew.

Es ist ja nicht nur die Wirtschaft, die sich in der Hand dieser „Paten“ befindet. Parteien und Parlamentarier, Medien, Justiz, Polizei, Geheimdienste und sogar Sport und Kultur unterliegen dem ultimativen Einfluss der Oligarchen. Auch Timoschenkos Gegner bei den Wahlen 2010 und 2015, der prorussische Viktor Janukowitsch und der prowestliche Petro Poroschenko, gehörten dieser Machtclique an, wie auch alle ihre Vorgänger seit 1991. Dass man ohne diesen oligarchischen Hintergrund nicht weit kommt, hat das klägliche Scheitern der Präsidentschaftsambitionen von Boxchampion Vitali Klitschko gezeigt.

Timoschenko wiederum ist von all den Genannten die Einzige, die für ihren Traum, die Ukraine zu führen, nicht nur verbissen gekämpft, sondern sich auch durchgebissen hat. Sie war Opfer in einem Schauprozess, hat zweieinhalb Jahre im Gefängnis gesessen und große Teile ihres Vermögens verloren. Ihre Kandidatur verdient deshalb bei allen Bedenken zunächst einmal Respekt.

Zum Auftakt ihrer Kampagne hat Timoschenko nun eigene Fehler eingeräumt. Und wer weiß: Wenn es ihr gelingt, sich von alten Rachegelüsten und ihrem überschießenden Machtwillen zu befreien, könnte sie am Ende alle überraschen und der Ukraine tatsächlich neue Hoffnung geben. Die Energie dazu hat sie. Sie müsste sie nur richtig kanalisieren.

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