Die Stunde der Wahrheit

Viktor Janukowitsch macht eine erbärmliche Figur. Monatelang hat der ukrainische Präsident die Annäherung seines Landes an die EU vorbereitet, um auf den letzten Metern eine abrupte Kehrtwende zu vollziehen. Er brach dabei sein dutzendfach gegebenes Wort – auch und vor allem gegenüber der eigenen Bevölkerung.

Jämmerlich wirkten Janukowitschs Erklärungen, er sei vom Kreml durch wirtschaftlichen Druck erpresst worden. Grotesk war sein Auftritt beim Gipfel in Vilnius, als er der EU-Führung, die er kurz zuvor schmerzhaft vor den Kopf gestoßen hatte, neue Vertragsverhandlungen in Aussicht stellte. Was will der Mann eigentlich?

In diesem Stil ging es am Sonnabend weiter. Sonderpolizisten prügelten in Kiew auf Demonstranten ein. Der Präsident, der als allmächtig gilt und sich auch gern so geriert, gab sich empört. Vor aller Augen wurde klar, dass Janukowitsch seine Truppen nicht mehr im Griff hat. Als Erster desertierte der Chef seiner Präsidialkanzlei. Zahlreiche Abgeordnete von Janukowitschs angeblicher Kaderpartei folgten.

Verwundern kann das nicht. Über Monate hinweg hatte der Präsident seine Gefolgsleute auf Westkurs eingeschworen. Sie alle haben sich wieder und wieder öffentlich und in diplomatischen und medialen Hintergrundgesprächen für diese Politik in die Bresche geworfen. Nun stehen sie da wie begossene Pudel. Ihr hasenherziger Präsident präsentiert sich derweil als Pudel auf Putins Schoß. So etwas mögen stolze Ukrainer gar nicht.

Hinzu kommt: Die Wirtschaft in Europas zweitgrößtem Flächenstaat liegt darnieder. Der Staat ist nahezu pleite. Ein Generalstreik, wie ihn die Opposition plant, könnte schnell in die ökonomische Katastrophe führen.

All das zeigt, dass Janukowitsch keineswegs so fest im Sattel sitzt, wie westliche Politiker dies annehmen. Noch in Vilnius  hieß es in EU-Kreisen, die ukrainische Opposition sei über die Wahl 2015 hinaus chancenlos. Das ist falsch. Die Stunde der Wahrheit bricht jetzt an.

Julia Timoschenko vor ihrer Verhaftung. (Screenshot YouTube: Krökel)

Julia Timoschenko vor ihrer Verhaftung. (Screenshot YouTube: Krökel)

Erkannt hat das früh und als Einzige Julia Timoschenko, die schon vor Vilnius zu sofortigem Handeln aufrief. Die Empörung über die Gewaltexzesse vom Sonnabend könnte der Funke sein, der das revolutionäre Feuer entfacht. Handeln muss aber dringend auch der Westen. Die EU muss die Opposition kraftvoll unterstützen. Jetzt! Das Ziel kann nur heißen: Regimewechsel.

One comment

  1. (…) Ich kann nicht glauben was Sie da Schreiben.
    Wie unkritisch sind Sie den gegenüber dieser Frau ???
    (…)
    Das die Forderung der EU und dabei hauptsäcjhlich Deutschlands diese zwielichtige Gestallt als Fauspfand für den Verhandlungsabschluß auf den Tisch zu legen nur als Erpressungsversuch eines souveränen Stattes gedeutet werden kann versteht jeder nur einigermassen an Politik interessierte Mitbürger.
    Es sei denn man vertritt die Politik einer mindestens genau so koruppten Klique wie sie jezt die politische Richtung in der Ukraine vorgibt.
    Mann kann ja versuchen die Anführer der 5. Kolonne welche man in einen Staat zu dessen unterhöhlung instaliert versuchen frei zu bekommen.
    Das sollte jedoch so geschehen das die jeweilige Staatsführung ihr Gesicht wahren kann.
    Daran ist aber besonders in Deutschland niemand interessiert.

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