Ein Gipfel der Friedfertigen

Michail Gorbatschow und der Dalai Lama sind bei Lech Walesa zu Gast: In Warschau versammeln sich Nobelpreisträger aus drei Jahrzehnten. Sie wollen über „Solidarität und Versöhnung“ debattieren und unter der Überschrift „No more wars“ das Ende aller Kriege auf der Welt fordern.

Der Dalai Lama zeigt vor einem historischen Bus der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc das Siegeszeichen. (Foto: Bartek Sadowski)

Der Dalai Lama zeigt vor einem historischen Bus der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc das Siegeszeichen. (Foto: Bartek Sadowski)

Michail Gorbatschow scheut inzwischen das Licht der Öffentlichkeit. Vor allem die hasserfüllten Angriffe in seiner Heimat haben den letzten sowjetischen Staatschef und Friedensnobelpreisträger von 1990 zermürbt. Als kürzlich eine Moskauer Nachrichtenagentur fälschlich seinen Tod meldete, brach in russischen Internetforen ungehemmter Jubel aus. Endlich sei der Totengräber der Sowjetunion selbst dahin, frohlockten die Kommentatoren.

Doch Gorbatschow lebt und erfreut sich guter Gesundheit. Und wenn sein Freund und Nobelpreiskollege Lech Walesa ruft, dann reist der 82-Jährige sogar nach Warschau. Anfang kommender Woche nimmt „Gorbi“ am 13. Gipfel der Friedensnobelpreisträger teil, zu dem Walesa geladen hat. Dessen Auszeichnung jährt sich in diesem Jahr zum 30. Mal. 1983 würdigte das Komitee in Oslo den Einsatz des Arbeiterführers im gewaltlosen Freiheitskampf der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc nach dem Danziger Streiksommer 1980.

Auf den ersten Blick treffen sich in Warschau ein Sieger und ein Verlierer der Geschichte. Walesa handelte 1989 am Runden Tisch die friedliche Machtaufgabe der Kommunisten und die Demokratisierung Polens aus. Gorbatschow musste 1991 das Ende der UdSSR verkünden. Unvergessen ist, wie er am Weihnachtstag die rote Flagge mit Hammer und Sichel über dem Kreml einholen ließ. Walesa selbst sieht „in dieser Niederlage zugleich Gorbatschows wahren Sieg“. Im persönlichen Gespräch sagte er einmal: „Wäre die Perestroika geglückt, hätte es weder die Wiedervereinigung Deutschlands noch die Einheit Europas gegeben. Es war ein Riesenglück, dass wir Gorbatschow hatten.“
______________________________

Siehe auch: Vom Glück des Scheiterns
______________________________

In Warschau treffen sich allerdings nicht nur die Friedensstifter des Kalten Krieges. Der Südafrikaner Frederik Willem de Klerk kommt, der im Zusammenspiel mit Nelson Mandela half, die Apartheid zu überwinden. Und auch „Seine Heiligkeit“ der Dalai Lama reist an, der nicht zum ersten Mal Polen besucht. Der geistige Führer Tibets fühlt sich erklärtermaßen wohl in dem Land, das so lange unter fremder Herrschaft gelebt und gelitten hat.

Walesas Solidarnosc „war für mich immer ein Vorbild, wir träumen den gleichen Traum“, sagte der Dalai Lama bei einem Besuch in Danzig 2009, 20 Jahre nach dem Mauerfall. In Warschau wird der Tibeter diesmal über „Solidarität und Versöhnung“ debattieren und unter der Überschrift „No more wars“ das Ende aller Kriege auf der Welt fordern. Es wird ein Traum bleiben, den es ohne Menschen wie Walesa, Gorbatschow und den Dalai Lama aber kaum gäbe.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.