Weniger ist mehr (Teil 5 und Schluss): Ich glaube, es piept

Wer mit dem Auto die Oderbrücke bei Frankfurt überquert, merkt von der deutsch-polnischen Grenze nicht mehr viel. Kurz abbremsen, ein Seitenblick auf das Schild mit den Verkehrsregeln im anderen Land – das war’s. Fast. Denn dann piept es. Zumindest bei mir.

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Derzeit machen sie die Grenzkontrollen überflüssig – noch: Blick in die Leitstelle des Gemeinsamen Zentrums der deutsch-polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Swiecko an der Oder. (Foto: Polizei Brandenburg)

Zunächst meldet sich das alte deutsche Handy, dann das polnische Smartphone und schließlich der Tablet-PC. Alle empfangen mobile Signale. Und alle Betreiber weisen per Piep bei Grenzübertritt schnell und vorsorglich auf die geltenden Gebühren im Nachbarland hin. Konkret heißt das: Wer unbedacht mobil surft oder telefoniert, zahlt zum Teil hohe Kosten für das Roaming – EU hin oder her.

Die Brüsseler Kommissarin Neelie Kroes, die für die „Digitale Agenda“ der Gemeinschaft zuständig ist, will dieser Abkassiererei nun ein Ende bereiten. 2014 sollen die Roaming-Gebühren abgeschafft werden. So lobe ich mir die EU, denn dieses Weniger ist definitiv mehr. In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum, der zudem nach einer gemeinsamen Identität sucht, ist es seit Langem ein Skandal, dass die Menschen im Kommunikationszeitalter nicht wirklich frei kommunizieren können.

Besteht also doch noch Hoffnung für die EU? Kroes‘ deutscher Kollege Günther Oettinger hält die Gemeinschaft inzwischen für einen „Sanierungsfall“. Recht hat er ja, der Energiekommissar, der „die richtige Tagesordnung” vermisst. Das tue ich auch.

Oettingers Botschaft gehört und gehandelt haben aber außer Reding bislang vor allem die EU-Innenminister. Sie wollen die Regeln für den grenzkontrollfreien Schengenraum ändern. Gut möglich also, dass es bei mir künftig an der Oderbrücke nicht mehr piept, ich dafür aber wieder meinen Pass herauskramen muss. Fort- und Rückschritt liegen in der EU dramatisch nah beieinander. (Ende)

 

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