Tatort Klischee: Die bösen Buben aus dem Osten

Moritz Eisner braucht nur ein Wort, um die Verhältnisse zu klären: „Russisch?“, fragt der Wiener Kommissar. „Nein, Georgisch“, antwortet der Mörder. Aber das ist im Grunde auch schon egal. Russland? Georgien? Hauptsache Osten. Der Killer hatte im Kaukasus ein Labor für Pharma-Experimente an Menschen eingerichtet und die Patienten dabei dutzendweise krepieren lassen.

TatortSo geschehen und gesehen im neuesten „Tatort“ am Pfingstmontag. Am Dienstag geriet ich dann beim vorabendlichen Zappen mitten in die unsäglichen „Rosenheim Cops“. Dort waren die Täter zwar brave Bajuwaren, die eine Entführung vorgetäuscht und dann auch noch gemordet hatten. Und dennoch: Die imaginierten Entführer waren natürlich … richtig: Osteuropäer. „Sie haben Polnisch oder Russisch gesprochen, ich kenn mich da nicht so aus“, sagte die scheinentführte Täterin in tadellosem Bayerisch. Wozu auch auskennen im Osten?

Mir ist schon klar, dass Krimis Typisierungen brauchen. Leider gerinnen die jedoch im deutschsprachigen Fernsehen allzu oft zu Klischees. Selbstverständlich hatten die stockkonservativen Kärntner im Österreich-„Tatort“ am Montag eine üble Nazi-Vergangenheit zu verbergen. Es trifft also nicht nur die Osteuropäer. Krimi-Priester zum Beispiel sind heutzutage im Grunde immer Kinderschänder.

Polen, Russen, Rumänen und andere Ostler sind von der Stereotypisierung allerdings überproportional betroffen. Sie sind immer die Bösen (Auftragskiller, Mafiosi, Zuhälter, Autodiebe, im besten Fall Hütchenspieler). Wenn Osteuropäer ausnahmsweise einmal Opfer sind, dann Zwangsprostituierte, schwarz arbeitende polnische Krankenschwestern oder aggressiv bettelnde Roma.

Zugegeben: Nicht all diese Figuren sind aus der Luft gegriffen. Aber die Welt jenseits der Oder hat so viele andere Facetten zu bieten, dass ich mir von den deutschen Krimimachern etwas mehr Realitätssinn und Fantasie zugleich wünschen würde. Warum nicht einmal eine mehrsprachige, weltgewandte polnische IT-Expertin von einem biederen und unterlegenen deutschen Konkurrenten ermorden lassen? Die Polin darf dann dem Klischee gemäß gern auch schön sein.

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