Krieg um die Blitzer

Polens Verkehrsminister Sławomir Nowak will die Radarkontrollen auf den Straßen des Landes deutlich ausweiten. Er begründet dies mit der hohen Zahl der Verkehrstoten. Die Bürger jedoch wittern Abzocke – und wehren sich. Viele Autofahrer rüsten ebenfalls technisch auf.

Das Auto ist nicht nur der Deutschen, sondern auch der Polen liebstes Kind. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie ähnlich sich die Menschen auf beiden Seiten der Oder sind, sobald sie hinter dem Steuer sitzen. Sie rasen und drängeln, pöbeln und fluchen, telefonieren mit dem Handy und parken falsch. Vor allem aber schimpfen sie über jedes noch so gerechtfertigte Strafmandat. Schuld sind immer die Abzocker in den Behörden.

Zugegeben: Das ist ein wenig pauschal formuliert. Tatsache aber ist, dass der schwelende Grundkonflikt zwischen Bürgern und Beamten in Polen inzwischen zu einem regelrechten Krieg eskaliert ist – zu einem „Krieg um die Blitzer“, über den die Medien im Nachbarland seit Wochen nahezu täglich berichten.

Wie so oft in gewaltsamen Auseinandersetzungen, stellt sich auch in diesem Fall die Frage nach der Kriegsschuld. Viele Finger weisen auf Verkehrsminister Sławomir Nowak. Der hatte angekündigt, die Zahl der fest installierten Radargeräte zur Tempoüberwachung deutlich zu erhöhen. Er begründete das mit einem Verweis auf die Statistik. Rund 3500 Menschen starben demnach 2012 auf Polens Straßen. Das waren zwar weniger Opfer als in den Jahren zuvor. Auf die Bevölkerungszahl umgerechnet ist das jedoch Europarekord.

Statistisch gesehen sterbe auf Polens Straßen alle 2,5 Stunden ein Mensch, erklärt Nowak. Das sei nicht hinnehmbar. Den meisten Bürgern in Polen sind diese Zahlenspielereien allerdings egal. Sie wissen es ohnehin besser. Es gehe der Regierung nicht um die Toten und Verletzten, sondern um die leere Staatskasse. Finanzminister Jacek Rostowski wolle sich mit Hilfe des Kollegen Nowak und auf Kosten der Autofahrer bereichern, argumentieren auch viele Kommentatoren in den Medien. Freie Fahrt für freie Bürger!

Nowak seinerseits will nicht weichen. „Wir stellen die neuen Blitzgeräte nur dort auf, wo es regelmäßig zu tödlichen Unfällen gekommen ist“, erklärt er gebetsmühlenartig, stößt aber auf taube Ohren. Schlimmer noch: Die frei fahrenden Bürger rüsten ebenfalls großflächig auf. Der Verkauf illegaler Radar-Warnsysteme sei zuletzt drastisch in die Höhe geschnellt, berichtete die Zeitung „Dziennik“ kürzlich und erklärte ihren Lesern, dass das polnische Militär eine ähnliche Technik im Irak-Krieg und in Afghanistan eingesetzt habe.

Nun ja, Krieg ist nun einmal Krieg. Der Ausgang der Schlacht um die Blitzer ist offen, der Frontverlauf unübersichtlich. Und auch die Frage, wer in diesem Kampf die Guten und wer die Bösen sind, harrt noch einer Antwort.

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