Wohlfeil und arrogant

Bei der Weltklimakonferenz in Doha zeichnet sich erneut ein Scheitern bei dem Versuch ab, den globalen CO2-Ausstoß nachhaltig zu reduzieren. In Europa stellt sich vor allem Polen quer. Doch das Land taugt nicht zum Sündenbock. Der moralische Zeigefinger ist fehl am Platz. Ein Kommentar.

Polen steht am Pranger. Warschau blockiert ehrgeizigere CO2-Ziele in der EU. Das ist eine schwere Bürde für die Europäer, die bei der Weltkonferenz in Doha verzweifelt für mehr globalen Klimaschutz kämpfen. Den Bremsern in China, Indien und den USA liefern die Polen eine europäische Steilvorlage.

Dennoch sind Schuldzuweisungen, wie sie die dänische EU-Kommissarin Connie Hedegaard und UN-Umweltchef Achim Steiner formulieren, falsch. Die Osteuropäer haben jahrzehntelang unter dem Joch des Sowjetkommunismus gelitten. Zeitgleich haben die Westeuropäer mit US-Hilfe Überflussgesellschaften aufgebaut und dabei – anders als die Polen – nicht vor dem Einsatz der Atomenergie zurückgeschreckt.

Die Osteuropäer haben noch immer enormen wirtschaftlichen Nachholbedarf. Dafür benötigen sie bezahlbare Energie. Wer sich als Deutscher hinstellt, sich das Schlagwort Energiewende auf die breite Brust der Wirtschaftsgroßmacht pinselt und von anderen mit missionarischem Eifer Umweltschutz fordert, handelt wohlfeil und arrogant.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Das Ziel, den Klimawandel zu bremsen, ist richtig. Deshalb führt auch kein Weg daran vorbei, dass Deutsche, Dänen und andere reiche Westeuropäer als Vorbilder voranschreiten, ohne die ärmeren Nachbarn zu schuhriegeln. Polens Umweltminister Korolec hat recht. Niemand hindert einzelne Länder oder Staatengruppen daran, beim Klimaschutz ehrgeizige Ziele umzusetzen.

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