Die hohe Kunst der hohen Hacke

Eine Frage der Kompetenz: Beobachtungen zum Fan-Verhalten von Frauen und Männern.

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Hohe Hacke auf der Fanmeile in Lemberg. (Foto: Krökel)

Den Titel „Fan des Viertelfinals“ hat sich mit weitem Abstand Angela Merkel gesichert. Die Bundeskanzlerin „bibberte“ auf der Tribüne mit ihren Deutschen. So beschrieb sie es später selbst, und man musste ihr das einfach abnehmen. Man hatte es ihr ja angesehen. Das Fußball-Fieber war echt. Und was echt ist, ist meist sympathisch.

Dabei passt Merkel so gar nicht ins Bild des gängigen weiblichen Fans dieser Fußball-EM. Ohne der Kanzlerin zu nahe treten zu wollen, so bleibt doch festzustellen: Bei diesem Turnier dominiert zwischen Danzig und Donezk der optische Faktor.

Allen voran ist da Irina Blochina zu nennen, die Tochter des grandios grantelnden ukrainischen Trainers Oleg Blochin. Der Vater bat nach dem Aus seiner Truppe einen kritisch fragenden Reporter zum Gespräch vor die Tür. Zu einem Gespräch unter Männern, versteht sich. Auch das war echt und irgendwie sympathisch. Die 29-jährige Irina dagegen moderiert einen allabendlichen EM-Talk im Fernsehen. Dabei lächelt sie jeden Gast in Grund und Boden. Und sie ist blond (möglicherweise gefärbt).

Zugegeben: Das klingt abwertend und ist damit ein politisch inkorrekter Ausfall. Aber Männer dürfen so etwas heutzutage wieder sagen oder schreiben. Denn schließlich schwärmen in diesen EM-Wochen auch Europas Frauen zwischen dem Nordkap und Sizilien hemmungslos von ihren eigenen Objekten der Begierde. Ganz egal, ob sie an Geschmacksverirrung leiden und auf Christiano Ronaldo setzen oder es lieber mit dem sensiblen Mesut Özil halten. Was nervt, ist das Gekreische.

Diese EM, so viel steht fest, ist ein Turnier der Kernkompetenzen von Männern und Frauen. Oder eben dessen, was sie wieder dafür halten. Die Jungs kämpfen auf dem Platz, die Mädchen sind schön und schauen zu. Vielleicht ist das aber auch nur die Sicht des Beobachters, der auf den Fanmeilen von Kiew oder Warschau tagein tagaus mit stöckelnd-schwingenden ukrainischen und liebreizend lächelnden polnischen Frauen konfrontiert ist.

„Konfrontation“ klingt in diesem Zusammenhang hart und ist ungerecht, gerade bei so viel Erotik. Dennoch handelt es sich unverkennbar um einen Zusammenprall der Zivilisationen, vor allem in der Ukraine. Staunend stehen in diesen EM-Wochen westeuropäische Fans daneben, wenn ihre Gastgeberinnen auf gefühlt 20 Zentimeter hohen Absätzen über das Kopfsteinpflaster von Lemberg oder durch die Schlaglöcher von Charkiw stolzieren. Ohne zu stolpern! Ganz im Gegenteil: Der Tänzer Ronaldo wirkt im Vergleich dazu wie ein portugiesischer Panzer (wenn es so etwas gibt).

In Deutschland, so war kürzlich zu lesen, werden Highheels-Kurse immer populärer. Alternativ wäre ein Ukraine-Urlaub anzuraten. Niemand beherrscht die hohe Kunst der hohen Hacke so perfekt wie die Frauen jenseits der Karpaten. Von dieser Erkenntnis ist es nicht weit bis zu dem berühmt-berüchtigten EM-Werbespruch des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. „Wenn in Kiew die Kastanien blühen, lassen unsere Mädchen ihre Hüllen fallen“, sagte er und lud Europas Männer in sein Paradies ein. Ob es wohl außer Femen in der Ukraine echte Gleichstellungsbeauftragte gibt? Es wäre eine Recherche wert.

„Ist das wirklich alles so schlimm?“, werden jetzt die Emanzipierten unter uns fragen. Und sie fragen zu Recht. Aber nein, es nicht so schlimm. Ein wenig unverkrampfter Spaß hat noch niemandem geschadet. Schlimm ist es, wenn polnische und russische Hooligans aufeinander einschlagen. Oder wenn deutsche Fans die Reichskriegsflagge hissen. Das wiederum liegt in der Kernkompetenz der Männer.

 

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