Gemeingefährlich

Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski greift im Wahlkampf den ungeliebten Nachbarn Deutschland scharf an. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Ein Kommentar…

Wahlkämpfe sind Schaukämpfe. Die Grenzen der seriösen Politik und des guten Geschmacks werden dabei regelmäßig überschritten. In Deutschland war Gerhard Schröder ein Meister dieses Fachs, etwa als er auf den Marktplätzen der Republik die Angst vor einem Krieg im Irak schürte. Was jedoch der Pole Jaroslaw Kaczynski dieser Tage betreibt, hat eine andere Qualität. Seine Hassattacken auf Deutschland sind gemeingefährlich.

Inhaltlich lohnt die Auseinandersetzung mit den Thesen des nationalistischen Hetzers nicht. Ob er es nun so gemeint hat oder alles eine Medienente ist: Bundeskanzlerin Merkel mit Stasi-Seilschaften in Verbindung zu bringen, ist ebenso abstrus wie niederträchtig. Die Bundesregierung und die deutsche Politik insgesamt tun gut daran, Kaczynski unkommentiert ins Leere laufen zu lassen. Jede Reaktion würde ihm nur in die Hände spielen. Das zeigt schon Kaczysnkis Drohung, deutsche Medien wegen der Berichterstattung über seine wirre Wahlkampfrhetorik verklagen zu wollen.

Schlimm und schädlich sind Kaczynskis Ausfälle vor allem deshalb, weil sie zumindest bei einem Teil der Menschen dies- und jenseits der Oder alte Wunden wieder aufreißen könnten. Der Streit mit Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach etwa war in der Regierungszeit des deutschlandfreundlichen Premierministers Donald Tusk fast zum Erliegen gekommen. Als Steinnach Ende Mai ins ehemalige Westpreußen reiste, lockte dies in Polen keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Nun pöbelt Kaczynski gegen Steinbach und schlägt den Bau eines „Museums der deutschen Verbrechen“ vor. Das ist nicht nur rückwärtsgewandter Unsinn, sondern auch eine Steilvorlage für all jene in Deutschland, die ihrerseits gern einmal wieder Richtung Warschau holzen würden.

Das Feuer der Vorurteile und des Hasses ist sehr viel schneller geschürt, als sich die Flammen wieder austreten lassen. Die Reaktionen auf die Kaczynski-Tiraden zeigen überdeutlich, dass die deutsch-polnische Glut noch schwelt. Insofern kann man nur hoffen, dass dieser Wahlsonntag schnell vorübergeht und folgenlos bleibt.

Veröffentlicht in Mittelbayerische Zeitung (7. Oktober 2011)

2 comments

  1. „Unkommentiert ins Leere laufan lassen ?“ ha ha.

    SIE -deutsche Koresspondenten- tun doch seit 3 Tagen nichts anderes, als diese Sache aufzubauschen und zu kommentieren.

    Kaczynski ist Tusk in den Umfragen zu nahe gekommen und daraufhin hat die polnische Linke und die Deutsche Koresspondenten“kaste“ zum letzten Strohhalm gegriffen und eine „abstruse wie niederträchtige“ Hetzkampane gegen Kaczynski vom Zaun getreten.

    Diese Hetzkampagne bestätigt mal wieder, wie oberflächlich die Deutsch Polnische Aussöhnung ist (Hinter Kacznski stehen immerhin 6-7Mio erwachsene Polen) und wie leicht es sich in Deutschland mit Kaczynski (dem polonischen Klischeebild) Hetzkampagnen machen läßt.

    Würden die deutschen Koresspondenten auch nur einen Bruchteil von Objektivität an den Tag legen, dann würde Radek Sikorski’s wikileaks Zitat „Deutschland sei ein trojanisches Pferd Russlands“ ebenfalls Schlagzeilen machen. Aber das wird natürlich verschwiegen, denn die Medien wollen nicht mehr über Politik/Polen berichten, sondern sie aktiv gestalten. Kaczynski soll vernichtet und Sikorski/Tusk geschützt werden. So einfach wie primitiv ist ihr mediales Demokratieverständnis. Aber irgendwie wundert es einen nicht, denn Demokratie wurde in Deutschland ja erst nach dem Krieg zwangsweise eingeführt. Mental ist dem Deutschen etwas anderes näher (Zitat Volker Schlöndorff) …. was man bei solchen gesteuerten Hetzkampagnen wunderbar sehen kann.

  2. Hallo,

    ich gebe Pole recht!
    In Deutschland wir die Meinung wie in keinem anderem demokratischem Land gesteuert und da es leider auch so viele wenig gebildete Menschen, wie in kleinem anderem westlichem Land gibt, wird das alles was die Propagandamedien verbreiten geglaubt.

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