Garantiert goldene Zeiten

Die Zweifel an der europäischen Währungsunion haben sich auf gleichbleibend hohem Niveau eingependelt – durchaus zu Unrecht.

Der Euro ist weit besser als sein mieser Ruf. Zugegeben: Wie so vieles im Leben merkt man auch das erst, wenn man es am eigenen Leib erfährt. Die Polen zum Beispiel halten den Zloty in Ehren. Er sei ihnen gegönnt, immerhin bedeutet das Wort „golden“ – und das ist doch schön. Für einen Westler wie mich stellt sich die Lage allerdings weniger glänzend dar. Denn vor jeden Einkauf hat der liebe Gott außerhalb der Euro-Zone den Geldumtausch gesetzt.

Nun weiß jedes Kind, dass man in Wechselstuben oder am Bankschalter Kursgebühren draufzahlt. Das gleiche gilt für Euro-Zloty-Überweisungen auf mein polnisches Konto. An irgendeiner Stelle im Bankensystem findet sich immer jemand, der die Hand aufhält und Gebühren abgreift.

Zum Glück von uns Euro-Europäern, so dachte ich lange, gibt es Geldautomaten und Kreditkarten. Mit Letzteren zahlt man beim Einkauf zum aktuellen Tageskurs der Notenbank. Das ist fair und funktioniert. Am Automaten ist es nicht ganz so einfach. Es gibt nur wenige Anbieter, die keine Gebühren verlangen, wenn man mit einer deutschen Karte Zloty abhebt. Aber es gibt sie. Und so hatte sich bei mir folgende Praxis eingebürgert: Mit meiner Kostenlos-Karte holte ich mir Zloty, um das Bargeld auf mein polnisches Konto einzuzahlen und Miete, Strom und andere laufende Kosten zu begleichen.

Etwas grotesk war das Ganze schon, zumal man am Automaten maximal 500 Euro pro Tag abheben kann. Ich musste also in Raten zahlen und dabei stets den günstigsten Kurs im Auge behalten. Den Banken war dies aber der Folter nicht genug. Seit neuestem sind viele polnische Geldautomaten mit einem trickreichen Frage-und-Antwort-Spiel ausgestattet, das mit einem ominösen „Garantiekurs“ lockt. Garantiert wird allerdings nichts anderes als der schlechte Kurs, den man in jeder Wechselstube bekommt.

Natürlich kann sich jeder für den freien Tageskurs entscheiden. Aber welcher Westler weiß schon, dass dies viel günstiger ist als der supersichere Garantiekurs? Und selbst wenn man bei dem Tippspiel die richtige Taste drückt, tauchen weitere lästigen Fragen auf, frei nach dem Motto: „Wissen Sie eigentlich, was Sie tun?“ Mit der Mahnung „Die meisten Kunden entscheiden sich anders als Sie“ wird man nach einer wahren Klick-Orgie mit fairem Geld bedient.

Mir ist die Lust am goldenen Zloty vergangen. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es in Eurozonen-Unternehmen zugeht, die mit polnischen Partnern Handel treiben. An irgendeiner Stelle schlägt das Wechselkursrisiko immer zu. Der Euro, das habe ich gelernt, ist eine gute Sache. Und vor allem: Polen gehört verdammt noch mal in die Währungsunion!

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