Polen sucht den Super-Papa

Ein Deutscher greift im Nachbarland nach den höchsten Weihen.

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Sven Sellmer (Fotos: privat)

Moralischer Sieger ist er schon jetzt: Der Deutsche Sven Sellmer steht in Polen sensationell im Finale des Wettbewerbs „Vater des Jahres“. Die Jury hat den 41-Jährigen unter 20.000 Teilnehmern zu einem von drei Preisträgern gewählt. „Ich weiß nur noch nicht, ob es am Ende Gold, Silber oder Bronze wird“, sagt der gebürtige Schleswig-Holsteiner, der mit seiner polnischen Frau Izabella und Töchterchen Maja in Posen lebt. Die Entscheidung über den Titel des Super-Papas fällt am Freitag bei einer Gala in Breslau.

„Ich habe das zuerst für einen Scherz gehalten“, berichtet Sellmer über den Moment, als ihn Pfarrer Boguslaw Baranski anrief und ihm die frohe Botschaft übermittelte. Der schlesische Ordenspriester hat den Väter-Wettbewerb vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Was in katholischen Kirchenkreisen als regionales Kuriosum begann, wird mittlerweile von der Regierung gefördert und vom polnischen Fernsehen vermarktet.

Warum die Jury ausgerechnet einen Deutschen in den Kreis der Finalisten gewählt hat, will Baranski im Gespräch mit dieser Zeitung nicht vorzeitig verraten. Nur so viel: „Wir wollen zeigen, dass Väter nicht immer nur streng sein müssen, sondern auch durch Einfühlsamkeit Autorität ausstrahlen können.“ Der werdende Super-Papa kann sich die Nominierung trotzdem nicht erklären. „Ich tappe völlig im Dunkeln“, sagt der Doktor der Philosoph und fügt augenzwinkernd hinzu: „Der erste Preis geht sicher an einen Vater, der mindestens drei Kinder hat – und das völlig zu Recht“.

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Maja Sellmer

Sellmers Tochter Maja, die ihren Vater zum Super-Papa-Wettbewerb angemeldet und den Stein damit erst ins Rollen gebracht hat, sieht das grundsätzlich anders. „Er ist sehr klug, immer hilfsbereit und erzählt die Wahrheit“, schwärmt die Neunjährige von ihrem Papa. Das Titelrennen hält Maja im Grunde für entschieden: „Er ist der Beste!“ Ehefrau und Mutter Izabella Sellmer kann all das nicht fassen. „Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ein evangelischer Deutscher bei einem polnisch-katholischen Wettbewerb eine Chance hat“, sagt die Germanistin.

Den Sellmers ist offenbar nicht bewusst, dass ihre kleine deutsch-polnische Familie etwas Besonderes ist. „Wir leben seit 2004 in Posen und unterrichten beide an der Universität“, berichtet der Vater lapidar. Dort haben sich Iza und Sven kennengelernt, als der Deutsche in den 90er Jahren aus purer Neugier an einem Polnisch-Sommerkurs teilnahm. Inzwischen spricht er ebenso perfekt polnisch wie seine Frau deutsch und die kleine Maja beide Sprachen.

Für sonderlich erwähnenswert hält Sellmer all das nicht. Womöglich deshalb, weil er selbst ein knappes Dutzend Sprachen beherrscht – darunter Sanskrit. In Posen hat das Multitalent das Institut für Indologie mit aufgebaut. Haushalt und Erziehung teilen sich die Sellmers. Im katholischen Polen ist das zwar noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Doch allmählich verliert das traditionelle Familienbild auch hier an Konturen. 70 Prozent der polnischen Männer und sogar 80 Prozent der Frauen befürworten das auf Gleichberechtigung basierende Modell der Sellmers.

Kirchenvertreter beäugen die Entwicklung misstrauisch. Ordenspriester Baranski begründet seinen Väter-Wettbewerb mit dem eigentümlichen Satz: „Wir wollen die Autorität des Vaters in der Familie stärken.“ Als Preise winken den Finalisten Reisen und dem Sieger eine goldene Statue, die verdächtig den Oscar-Figuren in Hollywood ähnelt. Allerdings hat die Super-Papa-Trophäe schmale Flügel. Sie soll einen Engel darstellen.

Erschienen im „Flensburger Tageblatt” (9. Juni 2011)

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