„Wir wollen Revanche für die Wasserschlacht von 1974“

Polens EM-Direktor Adam Olkowicz über den Stand der Vorbereitungen auf die Europameisterschaft und die Hoffnungen der eigenen Nationalmannschaft.

Frage: Was erwarten Sie von der Euro 2012?
Adam Olkowicz: Das Turnier ist in wirtschaftlicher Hinsicht eine Riesenchance für unser Land wie auch für Co-Gastgeber Ukraine. Wir realisieren ein gigantisches Infrastrukturprogramm. Allein in Polen werden 20 Milliarden Euro in Straßen, Schienen, Stadien und Hotels investiert. Das Wachstum legt um zwei Prozent zu. Aber natürlich wollen wir vor allem den Fußball voranbringen.

 

 

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Adam Olkowicz (Foto: Krökel)

 

Zwei Drittel Ihrer Landsleute glauben, dass sich Polen als EM-Gastgeber blamieren wird.
Olkowicz: Ich kenne andere Zahlen. Vom Beginn der Bewerbung an haben 70 Prozent der Polen das Projekt Euro 2012 unterstützt. Das ist bis heute so geblieben.

Die Menschen haben aber konkrete Sorgen. Sie glauben, dass die Autobahnen nicht fertig werden, dass Hooligans randalieren und die polnische Mannschaft früh scheitert.
Olkowicz: Berichte über einzelne Probleme werden aufgebauscht. Nehmen Sie den Straßenbau. Wahr ist, dass weniger Autobahnen entstehen als geplant. Unsere Regierung hat einige Chancen vergeben. Aber die entscheidenden Strecken zwischen den Austragungsorten werden mit Sicherheit rechtzeitig fertig sein.

Sind die Berichte über Hooligan-Ausschreitungen auch übertrieben?
Olkowicz: Es stimmt, beim Länderspiel in Litauen im März und beim nationalen Pokalfinale im Mai haben polnische Fans randaliert. Aber inzwischen hat die Regierung energisch gehandelt und die Gesetze verschärft. Außerdem werden wir es bei der EM nicht mit Hooligans einzelner Vereine zu tun haben. Zur Euro reisen Besucher aus der ganzen Welt an. Außerdem treffen wir alle nur denkbaren Sicherheitsvorkehrungen. Im nächsten Jahr wird es keine Gewaltexzesse geben.

Allzu viele Kontrollen könnten den Fans die Partystimmung verderben.
Olkowicz: Keine Angst, unsere Gäste sollen ungestört und ausgiebig feiern. Die Polizei wird Hooligans früh aussortieren und nur im Ernstfall eingreifen.

Bleiben die Zweifel am Zustand der polnischen Nationalelf.
Olkowicz: Das ist unsere größte Sorge. Wenn wir die Gruppenphase nicht überstehen, wird kein Pole die Europameisterschaft jemals als Erfolg ansehen – ganz egal, wie viele Autobahnen und welche wunderbaren Stadien wir anschließend haben. Die Erwartungen an die Mannschaft sind enorm hoch. Wir leben immer noch in der Erinnerung an die legendären Erfolge der Vergangenheit. Denken Sie an die polnische Mannschaft von 1974, die bei der WM in Deutschland erst in der Frankfurter Wasserschlacht gestoppt wurde!

Die Deutschen haben damals im entscheidenden Zwischenrundenspiel 1:0 gewonnen.
Olkowicz: Ja, mit viel Glück, weil der Platz nach diesem unglaublichen Regenguss unter Wasser stand. Wir hätten 1974 auch Weltmeister werden können. Jetzt stehen wir in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 71. So schlecht war Polen noch nie! Aber entscheidend ist, dass unsere Mannschaft am 8. Juni 2012 beim Eröffnungsspiel im neuen Warschauer Nationalstadion topfit und kampfbereit ist.

Wenn denn das Stadion bis dahin fertig ist…
Olkowicz: Natürlich wird es fertig.

Zuletzt gab es Probleme beim Bau der Arena. In Danzig musste das Einweihungsspiel gegen Frankreich gleich ganz abgesagt werden.
Olkowicz: Ja, das war bitter und wirft ein schlechtes Licht auf Polen. Aber es ging nur um Kleinigkeiten. Wir konnten die Sicherheit nicht zu 100 Prozent garantieren und mussten so entscheiden.

Findet das Einweihungsspiel in Warschau gegen Deutschland am 6. September statt?
Olkowicz: Das muss man abwarten. Vielleicht werden wir dieses Spiel nun in Danzig austragen.

Und wie geht es aus?
Olkowicz (lacht): Wir wollen Revanche für die Wasserschlacht von 1974! Das werden die Deutschen doch sicher verstehen, oder? Und vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr im EM-Finale wieder.

Zur Person: Adam Olkowicz (66) ist Vize-Präsident des polnischen Fußball-Verbandes PZPN und als Turnierdirektor für den Ablauf der Europameisterschaft 2012 in Polen verantwortlich. Der Wirtschaftswissenschaftler arbeitet in dieser Funktion eng mit der UEFA und dem ukrainischen Verband zusammen.

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