Der ewige Sowjetmensch

Am Sonntag wählen die Weißrussen einen neuen Präsidenten. Es wird der alte sein: Alexander Lukaschenko.

Wer Alexander Lukaschenko aufs Glatteis führen will, sollte sich warm anziehen. Der weißrussische Präsident, der sein Land seit 16 Jahren autoritär regiert und sich am Sonntag erneut zum Staatschef wählen lassen will, ist ein passionierter Eishockeyspieler. Mehrmals in der Woche schießt der als „letzter Diktator Europas“ geltende Lukaschenko scharf – glücklicherweise nur mit dem Puck im Minsker Sportpalast. Die eigens für den Präsidenten gegründete Amateurmannschaft gewinnt dem Vernehmen nach immer.

Verwundern kann das nicht, sagt man doch auch dem Politiker Lukaschenko einen ungebändigten Macht- und Siegeswillen nach. Mehrere Wahlen und Referenden hat der 56-Jährige fälschen oder zumindest manipulieren lassen. Und so gibt es kaum einen Zweifel daran, dass die Weißrussen ihren Staatschef am Sonntag im Amt bestätigen. Immerhin hat Lukaschenko der Opposition im Wahlkampf ungekannte Freiheiten gewährt. Die EU erwägt deshalb, ihre Sanktionspolitik gegenüber dem isolierten Regime in Minsk zu lockern.

Seine prägenden Jahre verbrachte Lukaschenko in der Sowjetarmee. Dem untergegangenen Imperium mit seinen Regeln von Befehl und Gehorsam trauert der studierte Agrarökonom und Historiker bis heute nach. Während der Perestroika wandte er sich der Politik zu und unterstützte 1991 den reaktionären Putsch gegen Michail Gorbatschow. Im weißrussischen Parlament kämpfte Lukaschenko vergeblich gegen die Loslösung des Landes von Moskau.

Abfinden wollte sich der Vater zweier Kinder mit der Niederlage nicht. In Minsk trat er 1994 bei der ersten Präsidentenwahl an – und siegte in einer Abstimmung, die internationale Beobachter als undemokratisch einstuften. Lukaschenko regiert seither mit harter Hand. 1996 setzte er in einem von Manipulationsvorwürfen begleiteten Referendum die Rückkehr zu den Staatssymbolen der Weißrussischen Sowjetrepublik durch.

Zu Beginn des Jahrtausends strebte Lukaschenko dann eine „Wiedervereinigung der slawischen Bruderstaaten“ Russland und Weißrussland an – selbstverständlich unter seiner Führung. Damals scheiterte er am kaum weniger ausgeprägten Machtwillen von Kremlchef Wladimir Putin. Und so habe sich Lukaschenko, lästern seine Gegner, in Weißrussland eben sein eigenes kleines Sowjetreich aufgebaut.

Beobachter sprechen von einem staatskapitalistischen chinesischen Modell. Unstrittig aber ist, dass der Militärfan Lukaschenko keinen Spaß versteht, wenn es um seine persönliche Führungsrolle geht. Nach der Präsidentenwahl 2004 ließ er demonstrierende Anhänger der Opposition von der Miliz zusammenknüppeln oder internieren.

Erschienen in der Lausitzer Rundschau (18. Dezember 2010)

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