Polens erotischste Politikerin

Katarzyna Szczolek alias Sara May will in Warschau Kommunalpolitik machen. Um gewählt zu werden, posiert die Pop-Sängerin auch schon mal im Bikini.

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Wahlkampf ist Politik mit anderen Mitteln: Katarzyna Szczolek plakatiert in Warschau recht offenherzig. (Foto: SaraMay)

Lasziv rekelt sich die junge Frau im Bikini am Strand. „Schön, unabhängig und kompetent“ steht auf dem Schriftzug darunter. Es ist ein Wahlplakat der besonderen Art, mit dem Katarzyna Szczolek für sich wirbt. „Sex und Intelligenz sind für mich kein Widerspruch“, erläutert die 28-Jährige ihre Kampagne. Die Pop-Sängerin mit dem Künstlernamen Sara May kandidiert bei den Regionalwahlen am Sonntag für ein Stadtteil-Parlament in Warschau – und sorgt als „Polens heißeste Politikerin“ für Furore.

Die Plakataktion mit der halbnackten Katarzyna hat in dem katholischen Land eine Welle der Empörung ausgelöst. „Ich bekomme aber auch viel Zuspruch von jungen und modernen Menschen“, sagt Szczolek. Die Musikerin hegt durchaus ernste politische Absichten. Mehr Kindergärten, Spielplätze und Grünflächen will sie in ihrem Stadtviertel schaffen, eine Skater-Trasse einrichten und die Kultur fördern. Vor allem aber möchte die 28-Jährige andere Frauen dazu animieren, ihrem Beispiel zu folgen und sich politisch zu engagieren.

Ob das gelingt, ist zweifelhaft. Die Reaktionen auf ihre erotische Wahlwerbung sind gerade im weiblichen Teil der Bevölkerung verhalten. „Viele Frauen sind wohl einfach neidisch“, sagt die Warschauerin, die bei Männern ein anderes Verhalten beobachtet hat: „Die bleiben stehen, gucken oder fotografieren die Plakate sogar.“

Die Künstlerin selbst hat nur wenige politische Vorbilder. Amerikas frühere Außenministerin Condoleezza Rice habe es geschafft, Schönheit und Machtbewusstsein zu kombinieren. Beim Namen Angela Merkel verzieht Szczolek dagegen das Gesicht. Und an der männerdominierten Politszene des eigenen Landes möchte sie sich schon gar nicht orientieren. „Wenn jemand wie Bronislaw Komorowski Präsident werden kann, der nicht gerade vor Intelligenz sprüht, ist Polen vielleicht doch bald verloren.“

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