„Am siebten Tag sollst du ruhen“

In Swiebodzin nahe der deutsch-polnischen Grenze steht seit kurzem die weltgrößte Christus-Statue. Der alter Pfarrer Sylwester, Bauherr und Ideengeber des Projekts, ist mit seinen Kräften kurz vor der Einweihung am Ende.

„Ich kann nicht mehr“, entfährt es Pfarrer Sylwester. Auch bei einem Mann Gottes ist irgendwann einmal der letzte Rest an Kraft aufgebraucht. Noch dazu im stolzen Alter von 78 Jahren. „Allein am Mittwoch waren fünf Fernsehteams aus Deutschland bei mir, um mich zu interviewen“, erzählt der Geistliche und stöhnt hörbar auf.

Dabei hat es der Kirchenmann selbst nicht anders gewollt. Denn all die Journalisten pilgern nur aus einem Grund in das Provinznest Swiebodzin nahe der deutsch-polnischen Grenze: Am Sonntag wird dort die weltgrößte Christusstatue geweiht. Ideengeber und Antreiber des Projektes aber war niemand anders als der alte Pfarrer Sylwester.

Seit zwei Wochen steht der 36 Meter hohe Heiland mit der goldenen Krone fertig montiert vor den Toren des 20.000-Einwohner-Städtchens und wartet auf den Segen der Kirche. Die Statue überragt selbst die weltberühmte Jesus-Figur auf dem Corcovado in Rio de Janeiro um etwa fünf Meter. Rund 470 Tonnen wiegt die Stahl-Aluminium-Polyester-Konstruktion und ist damit fast so schwer wie ein vollbeladener Riesen-Airbus A 380 mit seinen 560 Tonnen Maximalgewicht.

Die Idee für den Monumentalbau, so betont Pfarrer Sylwester immer wieder, habe ihm Gott selbst eingegeben. Vor zehn Jahren habe er einen „inneren Ruf“ vernommen und das Projekt gegen alle Widerstände in der Stadtverwaltung durchgesetzt. Wer die Sponsoren sind, die das Geld für den Bau des XXL-Christus mit seinen 26 Metern Arm-Spannweite aufgebracht haben, behält Zawadzki für sich. Soviel allerdings steht fest: Aus der Bevölkerung erfährt der durchsetzungsstarke Kirchenmann, der seit drei Jahren im Ruhestand ist, fast nur Zuspruch.

Nun aber ist alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Das von Beginn an als Touristen-Attraktion gedachte Monument hat einen kaum mehr zu bändigenden Ansturm ausgelöst. Seit einigen Wochen verfügt das Jesus-Projekt deshalb sogar über einen eigenen, wenn auch noch im Aufbau befindlichen Internet-Auftritt. Doch selbst dem Bildhauer Tomasz Corano, der an der Gestaltung der Statue mitgewirkt hat und der für die Web-Plattform verantwortlich ist, wird der Rummel allmählich zu viel. „Ich muss am Sonntag zu meiner Familie“, sagt er und „schwänzt“ die Einweihung.

Pfarrer Sylwester dagegen will im Anschluss an die Feierlichkeiten eine neue Medienoffensive starten. „Ich bin nur vorübergehend erschöpft“, versichert er im Gespräch. „Am siebten Tag sollst du ruhen, aber ab Montag sind wieder alle Fernsehteams willkommen – vor allem aus Deutschland.“ Kein Wunder, ist doch das brandenburgische Frankfurt an der Oder nur rund 60 Kilometer entfernt.

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