Sitzblockade

Wer hätte das je für möglich gehalten: Die Polen holen sich Anleitung aus Deutschland, um mit ihren Neonazis fertig zu werden.

Ein Deutscher soll Polens Antifaschisten den Weg weisen. „Thierse, gib nicht auf!“ Mit diesem Schlachtruf hatten Berliner Demonstranten am 1. Mai per Sitzblockade einen Aufmarsch von Neonazis gestoppt. In der ersten Reihe kauerte damals Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse auf der Straße – bis Polizisten den SPD-Politiker wegtrugen. Zum polnischen Unabhängigkeitstag am Donnerstag wollen sich die Antifaschisten in Warschau an dem Deutschen ein Vorbild nehmen. Dort plant das sogenannte Nationalradikale Lager (ONR) eine Parade im Nazi-Stil. Das ONR orientiert sich an den polnischen Faschisten der Vorkriegszeit und hetzt vor allem gegen Juden und Homosexuelle.

Doch nun naht Hoffnung aus Deutschland. „Thierse, gib nicht auf!“ – Die liberale Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“, die seit Tagen zu Protesten gegen die ONR-Kundgebungen aufruft, leitete gestern einen großen Artikel mit dem Berliner Schlachtruf vom Mai ein. „Die Deutschen kommen viel besser mit den Neonazis klar als wir“, schreibt der Autor und führt den schwer übersetzbaren Begriff der „Sitzblockade“ als Lehnwort in die polnische Protest-Terminologie ein.

Auch die Kritik an Thierse, die nach der Aktion laut wurde, verschweigt die „Gazeta Wyborcza“ nicht. Man könne nicht werktags den Staatsmann geben und am Wochenende den Revolutionär, zitiert die Zeitung einen deutschen Polizei-Gewerkschafter. „Die Staatsanwaltschaft stellte aber die Ermittlungen gegen Thierse ein“, beruhigt der Autor seine liberale Leserschaft. Sein für die polnischen Demonstranten ermunterndes Fazit: „Das junge Berlin ist begeistert von Thierse.“

One comment

  1. In Polen gibt es also Ihrer Meinung nach Faschisten, die von „anti“Faschisten aufgehalten werden müssen ?

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