Zum Zahnarzt nach Polen

Die deutschen Gesundheitsreformen haben ihre Risiken und Nebenwirkungen. Immer mehr Bundesbürger lassen sich im Osten behandeln.

 

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Buhlen um deutsche Patienten: Werbeplakat auf der Seebrücke in Kolberg (Foto: Krökel)

Auf der Flucht vor steigenden Zuzahlungen zieht es immer mehr deutsche Patienten gen Osten. Rund 120.000 Ausländer, meist aus der Bundesrepublik, haben im ersten Halbjahr 2010 einen polnischen Arzt aufgesucht – Tendenz rasant steigend. Für den Rest des Jahres erwarten Experten eine Zunahme um 15 bis 20 Prozent. Insbesondere Zahnbehandlungen und Schönheitsoperationen liegen im Trend.

Die Ursachen sind in den diversen Gesundheitsreformen der vergangenen Jahre zu suchen. Deutsche Krankenkassen verlangen immer höhere Eigenbeteiligungen. Und so geht die Rechnung auf: Kostet ein durchschnittliches Zahnimplantat hierzulande oft einen vierstelligen Eurobetrag, stellen polnische Ärzte bei anerkannt guter Qualität weniger als die Hälfte in Rechnung. Für ein Gesichtslifting müssen Patienten im Osten nicht einmal ein Drittel der deutschen Preise bezahlen.

Doch damit nicht genug. Auch in den Heilbädern Niederschlesiens oder an den breiten polnischen Ostseestränden steigt die Zahl der Gäste aus dem Westen rapide. Die deutschen Kassen finanzieren Kuraufenthalte nur noch selten. Und wer sich einen teuren Wellness-Urlaub in der Heimat nicht leisten kann, der reist nach Kolberg oder ins Glatzer Bergland.

Polens Gesundheitswirtschaft hat darauf mit der Gründung einer speziellen Lobbyorganisation reagiert. Die Regierung unterstützt das Marketing des „Verbandes für Medizintourismus“ mit rund 100 Millionen Euro im Jahr. Dass darunter die Qualität des regulären polnischen Gesundheitssystems leidet, weil sich die besten Ärzte auf die Privatbehandlung von Ausländern spezialisieren, zählt dabei zu den Risiken und Nebenwirkungen.

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