Schraube locker

Ein Polizeibeamter, der seine Leute Stromzähler ablesen lässt; und ein Möbelpacker, der einen Sessel kaputtmacht und sich zur Tarnung daraufsetzt: Mein Start als Korrespondent lässt mich schmunzelnd zurück.

Der Pole an sich, soviel habe ich bereits gelernt, hat es faustdick hinter den Ohren. Und er hat Humor. Seit ein paar Tagen hause ich nun bereits in Warschau, um von hier aus als Korrespondent zu berichten, und was ich gehört, gesehen und gelesen habe, lässt nur diesen Schluss zu.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Spielplatzböden. Umgerechnet 320 Millionen Euro gibt die Regierung für ihr Programm „Fröhliche Schule″ aus. Dafür bekommen die oft unterirdisch hässlichen Lernanstalten des Landes neue Spielplätze. Dabei verfährt das Bildungsministerium nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber”: Damit auch jeder hinschauen und darüber sprechen möge, was die Politik ihren Bürgern Gutes tut, hat man sich in der Behörde für leuchtend orange Spielplatzböden entschieden. Womit die Regierung nicht gerechnet hat: Die Produzenten der Beläge hoben den Preis für orange Gummiplatten flugs um rund 70 Prozent an. Statt 30 Euro für einen Quadratmeter blauen oder grünen Untergrunds zahlt Vater Staat nun gut 50 Euro. Immerhin ist es ja für einen guten Zweck…

Noch bunter treibt es Polizei-Inspektor Tomasz Kowalczyk. In dem Städtchen Płock, 100 km nordwestlich von Warschau, ist der Mann dem Sparwahn verfallen. Ohne mit der Wimper zu zucken hat er in seinem Revier einen Großteil der Telefone, Drucker und Handys „liquidiert”, wie der Inspektor sagt. Stattdessen hat er Stromzähler eingeführt. Nun gut, Kowalczyk ist für die Logistik zuständig. Und als solcher, so sagt er, gehe es ihm um vernünftiges Wirtschaften. Dass die Polizisten in Płock nun in der eigenen Wachtstube Schlange stehen müssen, um etwa mit Zeugen zu telefonieren, kratzt Kowalczyk nicht. Und auch die Stromzähler hätten ihren Sinn. Zwischen Außenstellen gleicher Größe gebe es erhebliche Unterschiede im Verbrauch – „ich will den Grund wissen”. Kowalczyks Untergebene zucken nur die Achseln. Und revanchieren sich: Sie verliehen ihm soeben zum vierten Mal in Folge die „Goldene Palme”, eine interne Auszeichnung für die absurdesten Ideen eines Vorgesetzten.

Doch auch deutsche Bauernschläue trifft man immer wieder. Die Möbelpacker, die mir beim Umzug geholfen haben, waren wirklich nette Typen. Aber als es dann ans Räumen ging, stellten sie sich etwas ungeschickt an. Jedenfalls haute mir der eine einen Kinken ins Regal, der andere verbusselte eine hochnotwichtige Schraube. Beides aber überspielten sie geschickt. Die kaputte Regalwand stellten sie so zu, dass ich auf den ersten Blick nichts Verdächtiges sehen konnte. Und den Sessel, dem die Schraube fehlte – ja, da hatte der gute Mann sogar die Chuzpe, sich mit seinen geschätzt 120 Kilo kurz mal reinzupflanzen. Wer kommt da schon auf die Idee, dass das Teil am seidenen Faden hängt. Festgestellt habe ich beides natürlich schon, allerdings erst, als das Räumkommando abgerückt war – mit einem saftigen Trinkgeld in der Hand.

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