Unerträglich stumpfsinnig

Der Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur Integration, vor allem aber zur Vererbbarkeit gewisser Volkseigenschaften für Empörung gesorgt. Nach diesem Kommentar im Flensburger Tageblatt entrüstete sich die Leserschaft dagegen über meine Thesen.

Thilo Sarrazin ist ein wandelnder Affront gegen den geistigen Zustand
der Republik. Dass sich ein Verlag findet, der mit einem Buch voller
kruder und gefährlicher Thesen ein Geschäft machen will, ist traurig
genug. Dass sich führende Medien des Landes dazu herablassen, dem
Brandstifter den Benzinkanister zu reichen, ist an Peinlichkeit kaum zu
überbieten.

Sarrazins Ausführungen zur Volksgenetik bewegen sich auf dem Niveau
jener Rassentheorien, die im 19. Jahrhundert heranreiften und in der
Blut- und Boden-Ideologie der Nazis gipfelten. Wissenschaftlich sind
diese Thesen – 100 Jahre und zwei Weltkriege später – längst
widerlegt. Die Wahrheit ist: Die Menschheit lässt sich nicht in Rassen
unterteilen. Schon gar nicht lässt sich den Individuen einzelner
Völkerschaften, etwa den von Sarrazin bemühten Basken, ein typischer
genetischer Code zuordnen. Die Unterschiede im Erbgut zweier Menschen
– also auch zweier Basken – sind in aller Regel viel größer als
die Abweichungen zwischen den vermeintlichen Standardpopulationen. Dass
Sarrazin die Überreste der Rassenideologie vom Müllhaufen der Geschichte
aufklaubt, hat daher nichts mit Lust an kluger Provokation zu tun – es
ist vielmehr unerträglich stumpfsinnig.

Wenn all das nur traurig und nicht ebenso gefährlich wäre, müsste man
über Sarrazin schlicht schweigen. Der Mann ist die Aufmerksamkeit
nicht wert. Stattdessen ließe sich die seit langem ernsthaft geführte
Debatte über die Integrationsprobleme in Deutschland vertiefen. Es gibt
sie ja zuhauf, die intelligenten und dabei durchaus provokanten
Wortmeldungen zu dem Thema. Man denke nur an die mahnenden Worte des
Berliner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowski. „Multi-Kulti ist
gescheitert“, sagt er.  Doch er leitet das aus der Praxis ab, nicht
aus der Vererbungslehre.

„Deutschland schafft sich ab“, lautet der Titel des Sarrazin-Buches.
Wohl wahr: Eine Gesellschaft, die solches Treiben duldet, schafft sich
in der Tat selbst ab. Es muss Mittel und Wege geben, Thilo Sarrazin aus
dem Vorstand der Bundesbank und der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands zu entfernen.

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