Ausgeblendet

Die Wiener Welt-Aidskonferenz widmet sich der Lage in Osteuropa – und die könnte dramatischer kaum sein.

Es beginnt mit den „üblichen Verdächtigen”
Die Zahlen, die da in Wien auf dem Tisch liegen, sind mehr als erschreckend. Das Kinderhilfswerk Unicef warnt vor einer verdeckten Aids-Epidemie in Osteruopa und Zentralasien – vor allem unter Heranwachswenden. 1,5 Millionen HIV-Infizierte gebe es in der Region, fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Von einem systematischen Versagen der Gesundeheitsvorsorge spricht Unicef. Und natürlich sind es die „üblichen Verdächtigen”, die am stärksten unter der Entwicklung leiden: Heim- und Straßenkinder, Drogensüchtige und junge Prostituierte.

Grauen bringt Quote
Entwicklungen wie diese geraten nur selten in den Fokus der westlichen Öffentlichkeit. Eher schon geht es um Erfolgsmeldungen wie die jüngsten Milliardenverträge, die Airbus, Siemens und andere deutsche Vorzeigeunternehmen in Russland abgeschlossen haben. Und wenn dann mal ein Straßenkind den Weg ins deutsche Fernsehen oder auf die Seiten der Gazetten findet, dann meist nach dem Prinzip „Grauen bringt Quote”. Viele Zuschauer und Leser reagieren darauf reflexhaft: „Gott, wie schlimm ist es doch im Osten!” Der eine oder andere wäre auch sicher sofort bereit, ein Care-Paket zu schnüren. Doch darum kann und darf es nicht gehen.

Modernisierung beginnt in Krankenhäusern und Schulen
Russland zum Beispiel kommt nur voran, wenn die Prioritäten im Inland richtig gesetzt werden. Wer sich eine High-Tech-Olympiade in Sotschi leisten will (und dies ja durchaus auch kann), der müsste doch in der Lage sein, für eine Aids-Prävention zu sorgen, die ihren Namen verdient. Wenn in Teilen des Riesenreiches die Zahl der HIV-Infektionen innerhalb von drei Jahren um bis zu 700 Prozent steigt, ist das verheerend für die Zukunft eines Landes, das bei der Lebenserwartung ohnehin miserable Werte aufweist. Die Modernisierung Russlands, die Präsident Medwedew immer wieder beschwört, beginnt in Krankenhäusern und Schulen. Verstanden hat das im Kreml bislang niemand.

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