Geteilte Freude ist doppelte Freude

Bei der Fußball-WM halten die Polen zu den Deutschen. Das war nicht immer so.

„So spielen Helden!”
Der Fußball lebt bekanntlich von Emotionen und Stimmungen. So gesehen könnte die Wahrnehmung der WM ein Fingerzeig für die Gefühlslage ganzer Nationen sein. Und da hat sich in Polen Erstaunliches getan. Noch bei der EM vor zwei Jahren musste ich beim Public Viewing in der Nähe des Warschauer Hauptbahnhofes miterleben, wie Hunderte Polen mit den Türken fieberten – nur weil es gegen Deutschland ging. Und nun? Unser grandioses 4:0 gegen Argentinien feierte nicht nur der polnische Fernsehkommentator mit Ausrufen wie „Weltklasse!” (das schrie er auf Deutsch!), „Genial!”, „So spielen Helden!” usw. Auch auf den Straßen Warschaus hörte man noch tags darauf immer wieder lobende Worte für diese „große, große Mannschaft”.

Der Taxifahrer schnalzt nur mit der Zunge
Eine polnische Bekannte von mir verlegte sogar einen Termin, weil sie das Spiel der Deutschen gegen Argentinien unbedingt sehen wollte. Mein Taxifahrer schnalzte derweil nur mit der Zunge, als die Rede auf das Match kam – und freute sich dann vor allem über Maradonas Tränen. Bei dem hiesigen Stimmungsumschwung dürfte es zumindest eine Rolle gespielt haben, dass im deutschen Team mit Klose und Podolski zwei gebürtige Polen mitkicken. Andererseits waren die beiden 2008 gegen die Türken auch schon dabei. Letztlich ist es eh einerlei, warum sich unsere Nachbarn mit uns freuen – schön ist es in jedem Fall. Vielleicht hat die Polen schlicht der „Sieg des Fußballs” begeistert, von dem der TV-Kommentator am Ende schwärmte.

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