Und jetzt auch noch der Grieche!

In Deutschland wird derzeit gnadenlos gegen die Griechen und in zweiter Reihe gegen die gesamte EU gestänkert. Ein Zwischenruf…

Ich, sagt der Kollege, hatte nie ein Problem damit, mal meinen Pass an der Grenze vorzuzeigen. Oder ein paar D-Mark gegen Lire einzutauschen. Wozu, fragt der Kollege, brauchen wir eigentlich diese ganze EU? Und erst recht den Euro! Ich sage nur: Griechenland. Sagt der Kollege.

Wer in solchen Diskussionen auf den Gedanken verfällt, mit dem europäischen Gedanken zu kommen, mit Völkerfreundschaft, mit Frieden, Freiheit und Wohlstand, der hat schon verloren. Das ist zu abstrakt. Eher schon hilft der Hinweis auf kilometerlange Staus an Grenzübergängen zur Ferienzeit. Inzwischen würde sich die Lkw-Kolonne an der Oder sicher bis Berlin zurückstauen, gäbe es den Schengenraum nicht. Überhaupt: der freie Güter- und Warenverkehr! Glaubt ernsthaft jemand, wir lebten in dem Wohlstand, in dem wir (immer noch) leben, gäbe es den EU-Binnenmarkt nicht? Die größten Profiteure des ganzen Systems sind wir Deutsche, die wir uns so gern als geschröpfte Nettozahler gerieren. Ich persönlich empfinde Euphorie, wenn ich über Berlin und Warschau nach Vilnius fahren kann, grenzenlos.

Ach ja, und dann ist da noch der Teuro-Euro. Alles schlimm, alles schlecht, sagt der Deutsche und will die D-Mark zurück. Dass zu deren seligen Zeiten die Inflationsrate bei über zwei Prozent lag, während der Euro auf rund 1,5 Prozent kommt, will hierzulande niemand hören. Und jetzt auch noch der Grieche! Übel, ganz übel, alles.

Mein Opa war ein weiser Mann. Er pflegte immer zu sagen: „Mach du mal einem Idioten klar, dass er einer ist – es wird dir nicht gelingen.”

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