„Die Pipeline sind wir”

Warum haben die Bauherren der Ostsee-Pipeline die Medien nicht rechtzeitig über den Beginn der Röhrenverlegung informiert? Das Ganze schmeckt nach einer Machtdemonstration nach russischer Manier.

Klammheimlich die ersten Röhren versenkt
Der Bau der Ostsee-Pipeline hat begonnen. Klammheimlich hat das Betreiber-Konsortium Nord Stream die ersten Röhren zum Absenken freigegeben. Anschließend verkündete der Mehrheitseigner Gazprom in Moskau, was 30 Kilometer vor Gotland geschehen war. Das Vorgehen ist zumindest eigenartig, ist doch für morgen – drei Tage später – in Nordrussland ein Festakt mit Kremlchef Medwedew vorgesehen, bei dem der Startschuss fallen soll. Wollte Gazprom Proteste zum faktischen Baubeginn verhindern? Richtete man sich schlicht nach den technischen Vorbereitungen oder der Wetterlage? Niemand weiß es. Die Medien jedenfalls informierte Nord Stream nicht über die bevorstehende Aktion.

Die Kritik an der Riesenröhre verstummt nicht
Man könnte das mit Unprofessionalität erklären. Was allerdings extrem unwahrscheinlich ist, wirft man einen Blick auf die intensive Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers.

Noch ist offen, wer bei dem Nord-Stream-Projekt am Ende in die Röhre guckt: Blick durch ein Pipeline-Teil, das bei Greifswald auf seinen Abtransport wartet. Foto: Pohlmann

Oder man wertet den Schritt als Machtdemonstration nach russischer Manier, frei nach dem Motto: „Was scheren uns die Berichterstatter? Die Pipeline sind wir.” All das jedenfalls ist nicht dazu angetan, das Projekt populärer zu machen. Die Kritik an der Riesenröhre ist noch längst nicht verstummt.

Hat Altkanzler Schröder die entscheidenden Türen geöffnet?
Aber das ist den Beteiligten womöglich egal. Ähnlich egal, wie ihnen die Kritik war, die 2006 über Gerhard Schröder hereinbrach. Der damals gerade abgewählte Bundeskanzler, der die Pipeline politisch eingetütet hatte, wechselte kurzerhand in den Nord-Stream-Aufsichtsrat. Dafür bezog Schröder in den Medien viele Prügel. Doch geschadet hat es ihm finanziell nicht, und auch die Pipeline wird nun gebaut. Nicht zuletzt womöglich deshalb, weil Schröder hinter den Kulissen die entscheidenden Türen geöffnet hat. Ob das Projekt ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten.

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