Frust und Frost zum Trotz

War da was? Die Ukraine hat gewählt, und alles kam, wie es kommen musste. Viktor Janukowitsch wird Präsident.

Die „schöne Julia” Timoschenko hat die Präsidentenwahl in der Ukraine verloren. 45,6 Prozent erzielte sie gegenüber 48,8 für Viktor Janukowitsch. Timoschenko wird noch ein wenig protestieren, womöglich klagen – eine neue, wie auch immer gefärbte Revolution wird sie indes nicht inszenieren können. Alles in allem: unspektakulär.

Der Blick auf die Finger der Mächtigen
Doch was heißt das für das Land? Steht nun, nach dem Sieg des oligarchentreuen, prorussischen Ostukrainers Janukowitsch eine Rückkehr zu den finsteren Zeiten des autokratischen Kutschma-Regimes bevor? Kaum. Dazu ist die Demokratisierung der Ukraine, die von der Orangenen Revolution ausging, viel zu weit fortgeschritten. Erneut 70 Prozent der Wahlberechtigten sind am Sonntag an die Urnen geströmt – trotz Politikverdrossenheit und Frostwetters. Die Bürger werden den Mächtigen in Kiew auch weiterhin auf die Finger schauen.

Auf dem Niveau einer Daily Soap
Was sie zu sehen bekommen, wird allerdings auch künftig kaum das Niveau einer Daily Soap übertreffen. Die „eiserne Lady” Timoschenko wird ihren Ehrgeiz nicht zügeln. Ihre übersteigerten Machtambitionen werden wesentlich dazu beitragen, dass das politische Leben in Kiew gelähmt bleibt. Noch ist Timoschenko Regierungschefin und verfügt im Parlament über ausreichend Anhänger, um dem neuen Präsidenten Janukowytsch das Leben schwer zu machen. Der wiederum hat zwar die Chance, durch eine kluge Politik der Versöhnung das Land zu befrieden. Allein es fehlt der Glaube an die intellektuellen Kapazitäten des vorbestraften Boxers. Und so wird die Frage, wohin die Ukraine steuert, nach Osten oder nachen Westen, wohl noch eine Weile unbeantwortet bleiben.

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