Aus dem Dunkel drohen die Deutschen

Vor der Parlamentswahl spielen Polens Nationalkonservative einmal mehr die antideutsche Karte. Die Kaczynski-Partei Recht und Gerechtigkeit wirft dem westlichen Nachbarn Geschichtsklitterung vor. Ihren Hauptgegner Donald Tusk bezichtigen die Kaczynskis einer „Danziger Deutschtümelei”.

Nachdenklich und entschlossen zugleich steht er da, die Lesebrille in der Hand, den Blick in die Ferne gerichtet. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den polnischen Premier Jaroslaw Kaczynski. Darüber prangt der Schriftzug „Prinzipien verpflichten”. Mit dem Plakat eröffnete die Kaczynski-Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in der vergangenen Woche den Wahlkampf.

Das Kaczynski-Bild ist Programm. Der Premier malt die Welt gern in Weiß und Schwarz. Auf der einen Seite stehen die PiS-Saubermänner, aus dem Dunkel dagegen drohen Kommunisten, Nicht-Katholiken, Liberale, Schwule und vor allem: Deutsche. Und so startete Kaczynski seine Kampagne mit einem Frontalangriff auf seinen Herausforderer Donald Tusk von der liberalen Bürgerplattform (PO), indem er dem gebürtigen Nordpolen „Danziger Deutschtümelei” vorwarf. Die PO sei „abhängig von Berlin” und akzeptiere die „deutsche Dominanz in Europa”.

Was das für Polen bedeutet, ließ Kaczynski seine Vertraute, Außenministerin Anna Fotyga, kundtun. In einem Interview für die „International Herald Tribune” wetterte die Warschauer Chefdiplomatin: „Polen muss seine Interessen verteidigen gegen die enge Verbindung zwischen seinen historischen Feinden, Moskau und Berlin.” Und: „Die Deutschen wollen die Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg ausradieren.”

Bei all diesen Ausfällen ist Kaczynski wie sein Bruder Lech, der polnische Präsident, Wahlkämpfer und Überzeugungstäter in einem. „Geerbt” haben die Zwillinge ihre Antipathie gegen alles Deutsche von ihrem Vater, der 1944 im Warschauer Aufstand gegen die Nazis kämpfte. Zugleich scheuten die Brüder im Präsidentenwahlkampf 2005 nicht davor zurück, Lech Kaczynskis damaligen Gegner Tusk zu diffamieren, indem sie dessen Großvater als NS-Kollaborateur brandmarkten. Tatsächlich war Josef Tusk nach einer Zeit im KZ 1944 zum Eintritt in die Wehrmacht gezwungen worden.

Ebenso erstaunlich wie bezeichnend bei all dem ist, dass sich Jaroslaw Kaczynski für seine jetzt angelaufene Kampagne ausgerechnet einen Deutschen zum Vorbild genommen hat. Bei den Entwürfen für das Schwarz-Weiß-Plakat habe man sich an Gerhard Schröders Wahlkampf 2002 orientiert, bekennen die PiS-Strategen offen. Und wie der frühere Bundeskanzler einst erfolgreich auf antiamerikanische Stimmungen setzte, so instrumentalisiert Kaczynski nun die in Polen noch immer verbreiteten Ängste vor den Deutschen. Fest steht: Im Ringen um die Macht kennen die Zwillinge keine Tabus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.