Der Traum vom Traumpaar

Zwischen Tallinn und Tiflis herrscht blankes Entsetzen. Der Wahlsieg von Donald Trump lässt in den ehemaligen Sowjetrepubliken vom Baltikum über die Ukraine bis in den Kaukasus alle Alarmsirenen schrillen.

Operation Krim: Auf der Schwarzmeer-Halbinsel bereiteten russische Soldaten ohne Abzeichen im März die Annexion vor. (Foto: Krökel)

Operation Krim: Auf der Schwarzmeer-Halbinsel bereiteten russische Soldaten ohne Abzeichen im März 2014 die Annexion vor. (Foto: Krökel)

Der künftige US-Präsident hat ja nicht nur Kremlchef Wladimir Putin immer wieder in höchsten Tönen gelobt. Er hat auch die Bereitschaft der USA in Frage gestellt, den Verbündeten im Osten Europas Beistand gegen das übermächtige Russland zu leisten. In einer Epoche der hybriden Kriege, in der Moskau die Krim annektiert hat, in der Ostukraine separatistische Söldner unterstützt und in Syrien bombt, fühlen sich die Menschen im postsowjetischen Raum so ausgeliefert wie zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg, als Stalin einen Pakt mit Hitler schloss.

Das ist das Horrorszenario: Putin und Trump machen auf Kosten der kleinen Nationen im Osten Europas Weltpolitik. Wie real diese Gefahr ist, lässt sich am Tag nach der US-Wahl nicht seriös sagen. Allen zu Recht Geschockten, aber auch den notorischen Apokalyptikern sei zur Beruhigung folgender Hinweis gewidmet: Eine mögliche Annäherung zwischen Trump und Putin kann sehr wohl ihr Gutes haben! Für den russischen Präsidenten und auch für sein Volk gehört die empfundene Kränkung des verlorenen Kalten Krieges zu den größten Erblasten der Geschichte.

Wenn es Trump gelingt, Putin das Gefühl zu vermitteln, sich auf Augenhöhe mit den USA zu bewegen, dann ist das die halbe Miete, um zu einer neuen Verständigung zwischen Ost und West zu kommen. Eine solche Annäherung könnte in Moskau Druck aus dem nationalistischen Kessel nehmen und weitere Aggressionen im Osten Europas sogar unwahrscheinlicher machen.

Schon wahr: Die Welt scheint nach Trumps Sieg kopfzustehen. Nun ist es sogar Putin, auf dem gewisse Hoffnungen ruhen. Das betrifft zum Beispiel das Atomabkommen mit dem Iran, das Trump aufkündigen will. Der Kreml dagegen war eine treibende Kraft in den Verhandlungen mit Teheran. Im besten Fall also wird Putin Trump davon überzeugen, an dem Vertrag festzuhalten. Und selbst in Syrien könnte eine Annäherung zwischen den beiden Alpha-Tieren durchaus positive Folgen haben. Es kommt darauf an, dass die Außenpolitiker im Umfeld von Trump die Chancen mit Augenmaß nutzen. Gelingt dies, könnten Trump und Putin als neues Traumpaar in die Geschichte eingehen.

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