Die Ukraine gehört wieder auf die Tagesordnung

Die Moskauer Zeit-Korrespondentin Alice Bota macht sich in einem lesenswerten Essay Gedanken über die Ukraine-Berichterstattung in Deutschland. Zweieinhalb Jahre nach der Maidan-Revolution ist das Stück ein eindringlicher Appell, das Thema nicht zu den Akten zu legen.

Eskalation des Krieges in der Ost-Ukraine am 26. Mai 2014: Kampfflugzeuge der Regierungstruppen bombardieren den besetzten Flughafen in Donezk.

Eskalation des Krieges in der Ost-Ukraine am 26. Mai 2014: Kampfflugzeuge der Regierungstruppen bombardieren den besetzten Flughafen in Donezk.

Bota schreibt mir aus der Seele – und dies nicht nur, weil auch ich mich 2014 „eher zufällig” in Donezk unter Beschuss wiederfand und pötzlich mit der Erkenntnis und der Frage konfrontiert war: Ich bin kein geschulter Kriegsreporter – was tun? Botas Analyse, die Eingeständnisse („Fehler und Versäumnisse”) und die Schlussfolgerungen der kann ich ausnahmslos unterschreiben.

Nachzulesen ist der Text hier.

Im Sommer 2016 stellt sich, glaube ich, vor allem drängend die Frage: Wie sehr bleiben wir an einem Thema wie der Ukraine dran? Tatsächlich sind nicht nur viele Reporter und Reporterinnen nach mehr als zwei Jahren Krise und Krieg erschöpft, auch mental. Mehr noch ist das Interesse in den Redaktionen und gefühlt auch bei den Lesern deutlich gesunken.

Dahinter steht natürlich ein gängiger Mechanismus – man denke, nur zum Beispiel, an die Grexit-Berichterstattung, und selbst die Flüchtlinge sind nicht mehr das Megathema. Wer interessiert sich heute noch wirklich für die Folgen der Arabellion? So ist das nun einmal, könnte man sagen – und müsste sich doch mit eigener Arbeit dagegenstemmen. Müsste, ja!

Ich erinnere mich noch bestens an die Zeit vor der Maidan-Revolution 2013/14. Damals habe ich, wie viele Korrespondentenkollegen auch, immer wieder versucht, den Redaktionen das Thema Ukraine „schmackhaft zu machen“, es „irgendwie unterzubringen“, weil zu sehen war, dass es gärt, weil etwas in der Luft lag. Das funktionierte mal besser (Fußball-EM 2012, Timoschenko), meistens aber schlecht.

Als dann der Rauch des Krieges in der Luft hing, musste man als Korrespondent erst einmal erklären, dass es die Ukraine überhaupt gibt und was das eigentlich für ein Land ist. Zugleich brachen die Aktualität und der absurde deutsche Streit zwischen Russlandverstehern und Russlandhassern über die Berichterstatter herein. Das war im höchsten Maße frustrierend. Man müsste trotzdem dranbleiben am Thema.

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