Polen steht kopf

Kaum ist man ein Jahr lang weg, schon haben sich die Verhältnisse um 180 Grad gedreht: Polen steht kopf. Zumindest macht das Land diesen Eindruck, von Berlin aus betrachtet. Was ist passiert?

Solidarität war gestern: Lech Walesa beim Gipfel der Friedensnobelpreisträger 2013 in Warschau.. (Foto: Krökel)

Lech Walesa beim Gipfel der Friedensnobelpreisträger. (Foto: Krökel)

Von der politischen Stabilität in dem hochgelobten Wirtschaftswunderland ist wenig geblieben, seit der langjährige Premier Donald Tusk in Warschau von Bord gegangen und als EU-Ratspräsident nach Brüssel gewechselt ist. Die Sejm-Wahl im Oktober wird aller Voraussicht nach die PIS-Partei von Rechtsaußen Jaroslaw Kaczyński gewinnen.

Schlimmer ist dies: Polen, das die Solidarność, die Solidarität, als zentrale politische Leitlinie quasi erfunden hat, präsentiert sich in der EU-Flüchtlingskrise seit Wochen hartleibig und egozentrisch. Konnte ich die Polen vor Jahresfrist noch reinen Gewissens als „fleißig und fröhlich, hilfsbereit und höflich“ rühmen, so drängen sich heute Zweifel an der Herzlichkeit unserer Nachbarn im Osten auf.

Am vergangenen Samstag gingen in Warschau mehrere Zehntausend „Polen gegen Einwanderer“ auf die Straße – obwohl es im Land so wenige Ausländer gibt wie in keinem anderen EU-Staat. Die Quote beträgt 0,3 Prozent.

Was also ist da los in Polen? Ich werde mir sobald wie möglich wieder ein Bild vor Ort verschaffen.

One comment

  1. Nicht Polen hat sich verändert, sondern Deutschland, lieber Herr Krökel.

    Deutschland hat in den letzten Monaten Vernunft durch Emotionen ersetzt, und das ist in der Geschichte immer fatal für Europa ausgegengen. Ganz Europa reibt sich zZ. die Augen. Anstatt sich über Polen aufzuregen, daß es keine Solidarität im ‚Irrsinn‘ zeigt, sollte Deutschland lieber auf den Pfad der Vernunft zurück finden.

    Und in Sachen Multi-Kulti, Demokratie bzw. Toleranz braucht Polen mit Sicherheit keine Nachhilfe von Deutschland. Brennende Asylantenheime, NSU, Kolonialismus, Rassengesetze usw. sind keine polnische Erfindung. Homosexualität wurde in Polen auch erst durch Preußen unter Strafe gestellt. Religionsfreiheit, Minderheitenschutz und Demokratie ist in Polen eine jahrhunderte alte Selbstverständlichkeit. Wäre Polen so xenophob, wie man es in Deutschland zZ. gerne karikiert, dann gäbe es keine Vietnamesen, Japaner, Chinesen, Ukrainer, Tataren, Weißrussen, Spanier, Italiener usw. auf den Straßen von Warschau, Krakau, Bialystok oder Lublin. Und jüdische Zentren (JCC Krakow bzw. JCC Warszawa) müßte man mit Polizei schützen….wie es in Deutschland der Fall ist.

    Kaum sind Sie aus Polen weg, und schon gewinnen bei Ihnen anti-polnische Vorurteile die Oberhand. Traurig. Letztendlich zeigt es, wie tief verwurtzelt solche Vorurteile sind.

    mfG. Pole

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