Putins Schuld

Der Abschuss einer Passagiermaschine im Osten der Ukraine wirft ein grelles Licht auf die Politk des Kremls. Russland heizt den Krieg im Nachbarland ununterbrochen an. Die Moskauer Politik trägt deshalb die Hauptverantwortung für die Tragödie mit fast 300 Todesopfern. Ein Kommentar.

Die Reaktion des Kremls auf die Flugzeugtragödie in der Ostukraine zeigt die Unverfrorenheit, mit der Wladimir Putin in dem blutigen Konflikt handelt. Die Regierung in Kiew sei für die Katastrophe verantwortlich, denn „natürlich trägt der Staat, über dessen Territorium sich das Unglück ereignet hat, die Verantwortung“. So sprach der Präsident und wusch seine Hände demonstrativ in Unschuld.

Das ist unerträglich. Denn in Wirklichkeit ist es Russland, das den unerklärten Krieg auf dem Gebiet des Nachbarlandes ohne Unterlass anheizt. Moskau lässt es zumindest zu, dass immer mehr skrupellose Söldner auf Seiten der Separatisten kämpfen. Es gibt auch keinen ernst zu nehmenden Zweifel daran, dass Russland die Aufständischen mit schweren und modernen Waffen ausrüstet, darunter mobile Flugabwehrraketen.

Fast alles spricht dafür, dass solch ein Boden-Luft-Geschoss die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit fast 300 Menschen an Bord in Stücke gerissen hat. Die weiträumige Verteilung der Trümmerteile am Boden beweist eine Explosion in der Luft. Ein US-Satellit hat zudem den Raketenflug beobachtet. Fest steht außerdem: Die ukrainischen Streitkräfte schießen in der Region nicht mit Boden-Luft-Raketen, weil es schlicht keine gegnerischen Ziele am Himmel gibt.

Noch ist die Beweislage nicht vollständig gesichert. Sollten aber die Separatisten die Täter sein, dann trägt der Kreml ein hohes Maß an Schuld für das Verbrechen, das einem Massenmord gleichkommt. Ein Großteil der Opfer, darunter viele Kinder, stammt aus westlichen Staaten, die meisten aus den Niederlanden.

Es gibt keine Toten erster und zweiter Klasse. Jedes Menschenleben hat den gleichen Wert. Dennoch könnte die eigene Betroffenheit manchen Politiker im Westen aufrütteln. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat recht,  wenn er von er von einem Weckruf für die Welt spricht.

Viel zu lange haben die Verantwortlichen in Berlin, Brüssel und Washington gezögert. Dabei ist längst offensichtlich, dass Putin nicht gewillt ist, zu einer Deeskalation der Lage in der Ukraine beizutragen. Spätestens wenn die verkohlten Leichen von Flug MH 17 beigesetzt sind, sollte der Westen deshalb dringend eine neue Phase in der Ukraine-Krise einläuten. Es wird höchste Zeit für umfassende Wirtschaftssanktionen. Wladimir Putin kann kein Partner mehr sein.

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