Spiel mit dem Feuer

Die Krim-Krise wächst sich zu einer Ost-West-Konfrontation aus, wie Europa sie seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt hat. Eine militärische Auseinandersetzung ist zwar (noch) unwahrscheinlich, aber es gibt zu viele kaum berechenbare Faktoren, um sie ausschließen zu können. Ein Kommentar…

Die ukrainische Übergangsregierung sprach am Sonntag von einer russischen „Kriegserklärung“ und löste die Alarmstufe Rot aus. US-Außenminister John Kerry prangerte Moskaus „unglaublichen Akt der Aublichen Akt der Aach asprach amggression“ an. Droht ein Krieg in Europa?

Das Säbelrasseln in der Krim-Krise tönt so laut, dass es sinnvoll ist, zunächst die Tatsachen sprechen zu lassen. Fest steht: Das russische Militär hat die Halbinsel besetzt und übt dort über eine Marionettenregierung die politische Kontrolle aus. Unstrittig ist auch: Die ukrainische Armee verfügt trotz aller Drohgebärden nicht über die Mittel, um der skrupellosen Intervention des großen Nachbarn Einhalt zu gebieten.

Sicher ist aber ebenso, dass die USA, die EU und die Nato nicht gewillt sind, wegen der Krim und der territorialen Integrität der Ukraine einen heißen Krieg gegen Russland zu führen. Viel zu groß ist das Risiko, dass der Funke einen globalen Flächenbrand wie vor 100 Jahren zu Beginn des Ersten Weltkriegs entfachen könnte.

Bedenkt man all dies, so läuft derzeit alles darauf hinaus, dass Russland die Krim zu einem Protektorat und damit gleichsam zu „seinem“ Kosovo machen wird. Die Schwarzmeer-Halbinsel wird auf lange Jahre hinaus ein Staat im Staate Ukraine bleiben. Mit diesem Faustpfand in der Hand wird Putin versuchen, seinen Einfluss im Nachbarland zu maximieren.

Weitere Hebel sind wirtschaftlicher und finanziller Druck sowie das berüchtigte Drehen am Gashahn. Den Exil-Präsidenten Viktor Janukowitsch kann Russland jederzeit als nützlichen Idioten ins Feld führen, um das eigene aggressive Vorgehen zu legitimieren.

Längst noch nicht ausgemacht ist auch, ob sich der Kremlherrscher mit der Krim begnügen wird, oder ob er eine bürgerkriegsähnliche Eskalation in der Ostukraine provozieren will. So bitter es klingt: In diesem Szenario droht die größte Gefahr von ukrainischen Nationalisten, die als Freischärler oder Attentäter in Charkiw, im Donbass und sogar auf der Krim selbst zum unkontrollierten Angriff übergehen könnten.

Jene Männer und Frauen, die sich auf dem Maidan in Kiew in das Fadenkreuz von Scharfschützen stellten, haben bewiesen, dass sie für die Freiheit ihres Landes zu sterben bereit sind. Sie schrecken womöglich auch vor einem Partisanenkrieg gegen die übermächtige russische Armee nicht zurück. Die Folgen wären unabsehbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *