Posttraumatische Belastungsstörung

Trauma ist dann, wenn der Schmerz nachlässt und es trotzdem wehtut. Mir geht es so beim Autofahren in Polen. Ich bin geschädigt. Nervlich zerrüttet von allzu vielen Reisen auf der Landstraße 2 von Warschau Richtung Posen und weiter bis zur deutschen Grenze. Oder von Fahrten über die S 7, die nach Danzig führt.

Diese berüchtigten Routen mit ihren Spurrillen, die so tief sind, dass man wie auf Schienen dahinrumpelt, habe ich zu oft benutzt. Ich habe zu viel Adrenalin verschüttet, weil ich im letzten Augenblick ausweichen musste, wenn ein Vordermann kurzentschlossen bei einem Pilzsammler am Wegesrand einkaufen wollte. Oder bei einer Frau mit hüfthohen Lacklederstiefeln.

Für die ersten 80 Kilometer aus der Hauptstadt heraus brauchte ich früher oft drei Stunden. Doch die schlimmsten Zeiten sind vorbei. Seit einigen Tagen ist ein großes Stück der Warschauer Südumgehung befahrbar. Dort gleitet das Auto auf Flüsterasphalt dahin wie ein Airbus A 380 in 12.000 Meter Höhe.

Zehn Spuren führen vom Chopin-Airport bis zum Autobahnknoten Konotopa, wo die A 2 beginnt und ich schnurstracks nach Berlin durchstarten kann. Bei Łódź kann ich bei Bedarf auf die A 1 abbiegen, die mich ebenso ungehindert nach Danzig bringt.

Nun gut, ein 70 Kilometer langes Teilstück vor Thorn fehlt noch. Aber auch dort wird fleißig gebaut. Polen ist bei der Modernisierung seiner Infrastruktur in den vergangenen Jahren enorm vorangekommen. Hut ab!

An meinem Trauma ändert das nichts. Am Sonntag bin ich mal wieder auf der S 7 von Warschau nach Danzig gefahren. Auch diese Schnellstraße macht ihrem Namen inzwischen streckenweise Ehre. Aber es gibt auch noch andere Abschnitte. Es reichte ein Stau in den westlichen Masuren, um mir den Schweiß auf die Stirn zu treiben.

Ein stinkender Laster vor mir, ein durchgeknallter Raser hinter mir. Auf der Gegenfahrbahn schleppte sich eine endlose Schlange von Wochenendausflüglern dahin. In meinen Nacken kroch eine undefinierbare Angst. Ich wollte nur noch raus. Ich leide unter PTBS.

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