Kirche is coming home

Der Weltjugendtag soll 2016 in Krakau stattfinden. Nach dem fröhlichen und frenetischen Fest in Rio de Janeiro kehrt die katholische Kirche damit nicht nur auf den alten Kontinent zurück. Der neue Papst Franziskus knüpft in der Diözese seines Vorvorgängers Johannes Paul II. auch an dessen Wirken an.

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Katholizismus in schwierigem Umfeld: Auf vielen Hinterhöfen im Warschauer Szeneviertel Praga finden sich liebevoll gepflegte Marienstatuen. Zugezogene Künstler verarbeiten die katholische Tradition allerdings auf ihre Weise. (Foto: Krökel)

Für die Medien in Polen ist das natürlich eine große Nummer. Sollte man meinen. In der Realität dieses heißen Juli-Tages sind Polens Zeitungsmacher offenbar nicht in der Stimmung, irgendein Thema anzuheizen. Also bleibt es im Kommentar der „Gazeta Wyborcza” bei wenigen Zeilen am Textschluss, der mit der bahnbrechenden Frage beginnt: „Was nun?”

Ja, was nun? Das in Brasilien so überschwänglich gefeierte Treffen der jungen Christen soll nächstes Mal in der traditionsreichen Bischofsstadt Krakau stattfinden. Das ist jene Diözese, in der Karol Wojtyła einst diente, der 2005 verstorbene polnische Papst Johannes Paul II.  Das wiederum ist jener Mann, den sein Nach-Nachfolger Franziskus im Oktober heiligsprechen will.

Krakau klingt deshlab nach einem Selbstgänger. Vielleicht erklärt sich auch damit die Zurückhaltung in Polens Medien. Wenn sich Kleriker und Kommentatoren da mal nicht täuschen! Immer mehr Gläubige wenden sich hierzulande vom aktiv gelebten Christentum ab. Nur noch 40 Prozent der Katholiken besuchen in Polen regelmäßig die Sonntagsmesse. In den 90er Jahren, als Johannes Paul II. auf dem Heiligen Stuhl saß, waren es noch über 50 Prozent.

Andererseits verbindet den neuen Papst Franziskus durchaus einiges mit Johannes Paul II. Schon wahr: Während des langen Ponifikats des Polen Karol Wojtyła hat sich in der Kurie jenes Herrschaftssystem herausbilden können, das der Argentinier Jorge Bergoglio nun bekämpft. Doch das lag auch an der zutiefst menschlichen, liebevollen Art Johannes Pauls II., der sich nicht oder nur ungern mit Machtkämpfen im Hintergrund befassen wollte. Das lebensbejahende Wesen verbindet ihn direkt mit Franziskus.

Es ist deshalb möglich, dass der südamerikanische Papst die Polen und damit das katholische Herz Europas in Wallung versetzt. Der Katholizismus auf dem alten Kontinent könnte diese Blutzufuhr gut gebrauchen. Die letzte Ausfahrt, die das Papamobil hier noch nehmen kann, heißt womöglich Krakau.

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