Ukraine-PR: „Wir übernehmen die Kosten“

Die Regierung des ukrainischen Präsidenten Janukowitsch steht im Westen in keinem guten Ruf. Das soll sich ändern. Zu diesem Zweck betreibt das European Centre for a Modern Ukraine Lobbyarbeit in Brüssel. Seit Neuestem haben die PR-Strategen auch mich im Visier. Eines muss man ihnen lassen: Sie geben sich großzügig.

Die Ukraine ringt um eine Annäherung an die EU. Warum eigentlich? Was will ein Antidemokrat wie Präsident Viktor Janukowitsch von der EU?

Es geht um wirtschaftliche und finanzielle Interessen – nicht des Landes, sondern jener Oligarchen, die Janukowitsch und seine Partei der Regionen finanzieren. Deshalb soll ein Abkommen mit der EU her, das vor allem eines garantiert: freien Handel.

Das Dumme ist nur, dass die Europäer trotz ihrer Identitätskrise noch immer an gewissen demokratischen Standards festhalten. In den EU-Spielregeln steht zum Beispiel etwas von Gewaltenteilung.

Das passt Janukowitsch gar nicht. Er entledigt sich seiner politischen Gegner am liebsten mit Hilfe der Justiz. Besonders schlimm ist, wenn darüber auch noch die westliche Öffentlichkeit debattiert und dabei zu keiner guten Meinung über Janukowitsch gelangt.

Was also tun? Vergangenen Donnerstag bekam ich einen Anruf von der Berliner Fleishman-Hillard Germany GmbH, zuständig für Public Affairs. Devise: The power of true. Was auch immer das bedeuten soll.

Im Angebot hatte die nette Dame am Telefon eine Journalistenreise in die Ukraine. Geplant seien Gespräche mit Mitgliedern der Regierung, der Opposition sowie Vertretern der Zivilgesellschaft. Wunderbar ausgewogen. Sehr europäisch sozusagen. Gute Sache!

Noch besser: Das Außenministerium in Kiew werde die Reisekosten übernehmen. Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber sprach in ähnlichen Zusammenhängen gern von „Landschaftspflege“. Sinn der Sache: Ein Journalist, dem man etwas Gutes tut, wird doch hoffentlich nichts Schlechtes schreiben.

Blöd ist, dass ich mich grundsätzlich ungern kaufen lasse. Das wollte die Landschaftspflegerin von Fleishman-Hillard natürlich auch gar nicht. Meine Mitteilung, dass ich meine Recherchereisen gern selbst organisiere und mit Beteiligung meiner Abnehmer in den Redaktionen auch selbst bezahle, nahm sie mit einem „Selbstverständlich!” zur Kenntnis.

Aber das konnte nicht ihr letztes Wort gewesen sein. Schnell verwies sie noch darauf, dass hinter der Einladung das European Centre for a Modern Ukraine (ECFMU) stehe, „ein in Brüssel ansässiger Thinktank, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Dialog zwischen der Ukraine und den Mitgliedstaaten und Institutionen der Europäischen Union zu fördern und zu verbessern“.

Also wieder eine gute Sache! Doch wer steht hinter dem ECFMU? Nach Recherchen der „Ukrainska Prawda“ führt die Spur über die Janukowitsch-Partei der Regionen zu den Oligarchen aus Donezk, der Heimatstadt des Janukowitsch-Clans.

Allmählich beginne ich zu verstehen, warum der Janukowtisch-Vertraute und Regierungschef Mykola Asarow kürzlich im Interview mit mir lachen musste, als ich ihn auf die grassierende Korruption in der Ukraine ansprach. Regelrecht losgeprustet hat er.

Ich vermute fast, dass er seine eigene Antwort lächerlich fand: „Timoschenko, Korruption, Demokratiedefizite: Es ist ein Fehler, uns immer die gleichen Stempel aufzudrücken“, sagte er. Welche Stempel, lieber ukrainische Regierung, hättet ihr denn gern? Und was sollen sie kosten?

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