Schöne neue Fracking-Welt

Fracking ist in aller Munde. Mit der umstrittenen Technik soll tief in der Erde lagerndes Gas aus Schiefergestein „freigebrochen“ und gefördert werden. Das Problem: Beim Fracking setzen die Energieunternehmen giftige Chemikalien ein. Der Skandal: Die Bohrlochbetreiber verraten nicht, welche Stoffe sie in die Erde pumpen.

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Protest gegen Schiefergas-Probebohrungen (Fracking) der Firma ConocoPhilips in Nordpolen. (Foto: privat)

Der US-amerikanische Gas-Gigant ConocoPhilips verabreicht ängstlichen Bürgern folgende Beruhigungspille:

Wir lernen: All die Fracking-Chemikalien, die im Verdacht stehen, das Grundwasser zu vergiften und Krebs zu erregen, sind in Zahnpasta und Speiseeis enthalten. Alles harmlos also.

Das Video ist nichts als ein haarsträubender Versuch, die Menschen für blöd zu verkaufen. Warum nennt ConocoPhilips nicht schlicht die Stoffe, um die es geht? Dann könnte sich jeder Bürger selbst ein Bild machen.

„Betriebsgeheimnis“, lautet die Antwort. Doch wie kann das sein? Fracking-Chemikalien sind schließlich keine Cola-Rezeptur. Wie kann es sein, dass die US-Umweltbehörden und die Regierung es den Energieriesen durchgehen lassen, die Zusammensetzung ihrer Giftcocktails geheim zu halten? Ähnlich ist die Lage in Polen, wo ConocoPhilips ebenfalls nach Schiefergas sucht.

Schon klar: Hinter der Top-secret-Strategie stehen Fragen der nationalen Sicherheit. Die Regierung in Warschau hofft, dank Schiefergas von russischen Lieferungen unabhängig zu werden und zu einem Energieparadies in Europa aufzusteigen. „Reich wie die Norweger“ wollen die Polen werden.

Den USA prophezeit die OECD sogar den baldigen Aufstieg zur Energieweltmacht Nummer eins – dank Fracking. Die Amerikaner werden dann nicht mehr von Golfstaaten wie Saudi-Arabien abhängig sein und womöglich auch keine Kriege ums Öl mehr führen müssen wie im Irak. Ist das nicht wunderbar? Da kann man schon mal die eigene Bevölkerung vergiften.

Seien wir fair! Sicher weiß niemand, wie gefährlich das Fracking wirklich ist. Aber es gibt erhebliche Bedenken, wie sie in einer umfangreichen Studie des Umweltbundesamtes beschrieben werden. Am Ende steht eine einfache Weisheit: Der gute Zweck heiligt die giftigen Mittel nicht. Auch beim Fracking nicht.

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