Ich bin wieder hier

Nach acht Jahren Abstinenz wieder einmal ein „Schluck Russland”. Die Reise führt mich nach Rostow am Don. Das reicht für einen kleinen Rausch…

„Russland 3.0 – von Blogokratie zu Demokratie”
Zurück in Moskau. Acht lange Jahre ist es her, dass ich Russland zuletzt bereist habe. Danach stand eher Polen auf der Agenda, auch die Ukraine, Ungarn, das Baltikum. Nun also wieder Russland: Eine Medienkonferenz im südrussischen Rostow am Don steht auf dem Programm. „Russland 3.0 – von Blogokratie zu Demokratie” lautet der Titel. Klingt spannend.

Piloten mit nacktem Oberkörper
Unglaublich ist dann aber erst einmal der Flug nach Moskau – mit einem nagelneuen Airbus. Nach Rostow geht’s mit einer Boeing. Vor acht Jahren bin ich meist in den legendären TU-154 unterwegs gewesen. Da krachten dann ständig die Tischchen herunter, und der Blick durch eine kurz geöffnete Cockpit-Tür gab den Blick auf Piloten mit nacktem Oberkörper frei – schweißüberströmt.

Der Weg übers Rollfeld als Gang zum Schafott
Nach der Landung in Scheremetjewo 1 ist dann aber alles wie einst. Die düstere Ecke, in der ich im Juli 2001 auf meinen Flug nach Kamtschatka warten musste, gibt’s noch. Wieder tummeln sich dort finstere Gestalten. Sie harren aus, bis der 10-Stunden-Flug ans andere Ende der Welt beginnt, der gut gehen kann – aber nicht muss. So empfand ich es damals. Der Weg übers Rollfeld zum Flieger als Gang zum Schafott.

Braune Plocken im Flaschenhals
Geändert hat sich aber doch viel. Schon 2001 konnte man ja Mineralwasser kaufen – was in der 90ern durchaus ein Problem war. Da gab’s, wenn überhaupt, Wasser in schlecht verschlossenen Bierflaschen. Und mitunter sammelten sich im Flaschenhals merkwürdige braune Plocken. Heutzutage gibt’s in diesem Teetrinkerland sogar überall Kaffee, gern auch als Cappuccino. Geldautomaten und die meisten anderen westlichen Standards haben längst Einzug gehalten.

Eine Horde Taxifahrer und ein schöner Handel
Irgendwie verrückt sind sie aber immer noch, die Russen. Das merke ich spätestens in Rostow, wo ich um Mitternacht lande. Sofort belagert mich eine Horde Taxifahrer, wie es in osteuropäischen Ländern üblich ist. 1000 Rubel wollen sie haben für die Fahrt ins Zentrum – 23 Euro. 250 Rubel sind wohl der Regelpreis, wie ich gelesen habe. Also beginnt der Handel. 150 biete ich. „Dollar?”, fragt einer zurück. Ich lache, sage, dass ich den üblichen Preis kenne. O.k., 700 findet er plötzlich auch in Ordnung. Ich lache wieder, biete 200. Nach einer Weile ist er bei 350. Wir stehen bereits vor der Halle. Ich biete als letztes Wort 300. Er bleibt hart. Ich hole die Telefonnummer der regulären Taxizentrale heraus. Am Ende zahle ich meine 300, und er ist sichtlich glücklich. Nicht wegen der Fuhre, die er nun hat, sondern wegen des schönen Handels! Ich gebe 20 Rubel Tinkgeld. Ich bin wieder hier…

(Fortsetzung folgt…)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *