Die Schwächen der Sotschi-Show

Der deutsch-russische Gipfel am Schwarzen Meer war vor allem eines: eine große peinliche Schau. Buhrufe verdient vor allem einer: Dmitri Medwedew.

Alles kam, wie es kommen musste in Sotschi. Merkel sprach im Beisein von Medwedew ein paar hehre Worte zu den „abscheulichen Morden“ an Menschenrechtlern im Kaukasus: „Ich habe noch einmal deutlich gemacht, dass wir dieses natürlich auf das Schärfste verurteilen.“ Natürlich – ein verräterisches Wort, denn es heißt ja nichts anderes als: „Dies ist eine Pflichtübung.“ Ansonsten ging es um die Wadan-Werft, um Opel, um die insolvente Chipfabrik Qimonda in Dresden und die Ostsee-Pipeline (Merkel: „Ich hoffe, dass es vorangeht“).

Spannender war da schon die Inszenierung. Alles nach amerikanischem Vorbild. Wie Bush jr. auf seiner Ranch in Crawford/Texas kutschiert nun auch Medwedew seinen Gast in einer Art besserem Golfwagen über das Gelände seiner Sommerresidenz am Schwarzen Meer. Und wie bei Barack Obama ist der Hund des Staatschefs dabei – ein Golden Retriever, edel und knuffig zugleich.

Doch das Drehbuch weicht auch vom US-Original ab, und zwar in einem entscheidenden Punkt. Im Hintergrund mit dabei ist Wladimir Putin. Nominell der Premierminister, der in Russland wenig Einfluss hat. Doch im Kreml regieren die Zaren seit den Zeiten der Bojarenduma eher informell. Putin und Medwedew präsentieren sich in Sotschi als Tandem, ob in Jeans und T-Shirt an der Strandpromenade oder beim Federball (mit Hund „Aldo“!). Fragt sich nur: Cui bon? Wem nützt das alles?

Putin bleibt der starke Mann. Viel spricht dafür, dass er in zweieinhalb Jahren wieder zum Präsidenten gewählt wird. Diesmal für sechs (plus sechs) Jahre. Medwedew muss dann zurück ins Glied, vielleicht als Putins neuer Premier. Es wäre eine hübsche Pointe. Immerhin pflegt der Präsident auf Abruf einen anderen Stil als der pöbelnde Putin. Medwedew ist – oder gibt sich – offen, modern und jovial.

Andererseits sind diese Bilder so peinlich, dass ich mich frage, ob wir im Westen Medwedew nicht überschätzen. Wer sich so zur Schau stellt oder stellen lässt, dem fehlt es offenkundig an Selbstwertgefühl. Echte Stärke hat solch eine Show nicht nötig. Buhrufe – Pfiffe – Vorhang.

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