Mäuschen bei Merkel und Medwedew

Kanzlerin Merkel trifft sich morgen in Sotschi mit Kremlchef Medwedew. Zu gern würde ich bei solch einem Zweiergipfel einmal Mäuschen spielen.

Schachern am Schwarzen Meer
Meine Vermutung ist, dass dort – freundlich formuliert – Tacheles geredet wird. Oder, ins Kritische gewendet: Die Alpha-Tierchen schachern bei diesen Treffen wie auf einem Schwarzmeer-Basar. Die Öffentlichkeit erfährt davon wenig. Uns bleibt nur, die politischen Resultate zu bewerten.

Zockt der Altkanzler mit?
In Sotschi könnte der Deal über einen Gazprom-Einstieg bei der Pleitewerft Wadan in Wismar eine Rolle spielen. Das ist nah an Merkels Wahlkreis. Und so eine Unternehmensrettung in letzter Minute macht sich im Wahlkampf immer gut. Durchaus denkbar ist gar, dass Merkels einstiger politischer Rivale Gerhard Schröder mitzockt. „Politischer Feind“ wäre mit Blick auf das Gekungel zu emotional formuliert.

Der Ziehsohn des Gaszaren
Schröder sitzt bekanntlich bei Gazprom mit im Schlitten. Und da kommt dann auch Medwedew wieder ins Spiel, der bei dem Energiegiganten seit langem eine zentrale Rolle spielt. Außerdem ist er als Präsident bei dem Staatskonzern qua Amt eine große Nummer. Nicht zuletzt ist er auch noch der politische Ziehsohn des Gaszaren Wladimir Putin. Gazprom nun kämpft um seine Vorherrschaft auf dem europäischen Energiemarkt. Allerdings stecken viele Projekt der Russen noch in der Pipeline. North Stream und South Stream zum Beispiel. Da könnte die Kanzlerin sicher helfen. Ihr Wort hat Gewicht in Brüssel.

Neue Attacke auf die Ukraine
Pünktlich zum Merkel-Besuch ist Medwedew verbal über die prowestliche Regierung in der Ukraine hergefallen. Das Transitland stört immer wieder den Gasfluss aus Russland gen Westen. Die Umgehungs-Pipeline South Stream soll da Abhilfe schaffen. Außerdem strebt Kiew in die Nato. Das will der Kreml nicht hinnehmen und schickt fürs Erste keinen Botschafter mehr ins slawische Bruderland.

Mit Russland lässt sich besser dealen
Merkel ihrerseits kann mit der Ukraine auch wenig anfangen. Im Grunde ist Kiew für die Kanzlerin ebenfalls ein Störfaktor, den sie nicht wirklich in Nato und EU haben will. Lieber mit Russland dealen. Mit dem Kreml lassen sich in jedem Fall bessere Geschäfte machen. Dummerweise drängen die USA auf eine Westanbindung Kiews. Kann die Kanzlerin da womöglich als „fünfte Kolonne Moskaus“ dienen? Das mag übertrieben sein, wäre aber in jedem Fall ein gutes Argument beim Schachern in Sotschi.

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