Psychogramm der Kaukasus-Krieger

Schon wieder ein Jahrestag, schon wieder Krieg, Leid und Tod. In der Nacht vom 7. auf den 8. August 2008 begann das russisch-georgische Schauschießen in Südossetien. Eine Schau veranstalten die starken und halbstarken Männer in Moskau und Tiflis auch heute.

Der georgische Päsident Michail Saakaschwili präsentiert sich im deutschen Fernsehen (ARD) als Opfer russischer Aggression. Er warnt vor neuer Gewalt. Dabei war er es, der vor Jahresfrist seine Artillerie nach Südossetien geschickt hat. In einem Akt des Größenwahns. Vielleicht ist es ja so, dass Männer – meist sind es Männer –, die einmal eine erfolgreiche Revolution angeführt haben, eine gewisse Sucht nach Zuspitzung, Drama und Eskalation entwickeln.

Die anderen sind aber auch nicht besser. Was Putin und leider auch Medwedew zum Jahrestag des Kaukasus-Krieges inszenieren, deutet ebenfalls auf Großmannssucht hin. Dahinter stecken im Falle der Kreml-Herrscher aber eher Minderwertigkeitskompexe als gewachsenes Selbstbewusstsein. Der Zerfall der Sowjetunion steckt dem ganzen Land und somit auch seinem politischen Personal noch immer in den Knochen.

Putin lässt sich mal wieder mit nacktem Oberkörper ablichten, hoch zu Ross und beim Angeln in der weiten russischen Wildnis. Hochnotpeinlich ist das. Medwedew dagegen besucht vor laufender Kamera einen Rüstungsbetrieb und bestaunt nagelneue Panzer. Wie so oft wirkt der kleine Mann wie ein Schuljunge. Hauptsache, er sieht in den Kanonen kein Spielzeug, das es auszuprobieren gilt. Dass er selbst nicht in diese kriegerische Szenerie hineinpasst, macht ihn sympathisch. Lässt vielleicht sogar hoffen, dass er doch einmal mehr zu sagen haben könnte, als es derzeit den anschein hat.

Zu einem neuen Krieg wird es im Südkaukasus so schnell wohl nicht kommen. Saakaschwili kann froh sein, wenn er sich an der Macht hält. Ob das gut für Georgien ist, steht auf einem anderen Blatt. Ein wunderbares Land ist das, sagt man. Nächstes Jahr werde ich hinfahren. Wenn nicht doch noch wieder einer der Halbstarken durchdreht.

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